Health Techs #3: Mentale Gesundheit

Als sie im Dezember das erste Mal Schnee vom Himmel hat fallen sehen, das Thermometer Minusgrade angezeigt hat und sie nach Daunenmantel und Stiefeln griff, war klar – der Winter ist da. Louisa zieht Mütze und Schal über und macht sich langsam, noch in der Morgendämmerung, auf ins Büro. Seit Anfang Oktober ist die Doktorandin auch wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Chemie-Fakultät. Obwohl ihre Doktorarbeit 25 bis 30 Stunden in der Woche schluckt, muss sie noch 20 Stunden die Woche Seminare vor- und nachbereiten, Professor:innen zuarbeiten, Klausuren korrigieren. Denn ihr Erspartes wird sie die nächsten Jahre kaum über Wasser halten. Ständiger Leistungsdruck, Stress, privater Kummer und Erfolgsdruck haben bei Louisa vor allem zu einem geführt: Depressionen.

Volkskrankheit Depression

Zu den typischen Symptomen einer Depression gehören neben gedrückter Stimmung, Antriebslosigkeit, Konzentrationsschwierigkeiten, Schuld- und Minderwertigkeitsgefühlen oder sogar suizidalen Gedanken auch körperliche Beschwerden wie Appetitmangel, Schlafstörungen, Magen-, Kopf- oder Rückenschmerzen. Grund für verstärkte psychischen Probleme in den Wintermonaten ist der veränderte Hormonhaushalt aufgrund der Reduktion von Sonnenstunden. Besonders für Menschen, die bereits bei sonnigeren Zeiten mit mentalen Herausforderungen kämpften, kann die herbstliche Dunkelheit zu einer drastischen Verschlimmerung ihrer Symptome führen. Wer nun nach psychologischer Beratung sucht, muss oft feststellen, dass alle Anlaufstellen überfüllt sind und die Wartezeiten oft Monate dauern.

Laut Zahlen der Deutschen Depressionshilfe[1] leidet jeder fünfte bis sechste Erwachsene im Leben einmal an Depressionen. Im Laufe eines Jahres erkranken 5,3 Millionen Erwachsene, oder 8,2 Prozent der deutschen Bevölkerung zwischen 18 und 79 Jahren, an einer depressiven Störung. Dabei sind Frauen mit derzeit etwa 11,3 Prozent mehr als doppelt so häufig betroffen wie Männer, von denen zurzeit etwa 5,1 Prozent erkrankt sind. Dies kann auch daran liegen, dass sich Frauen tendenziell häufiger Hilfe suchen.

Das Problem: die insbesondere durch fehlende Therapieplätze entstandene deutschlandweite Versorgungslücke im Bereich Psychotherapie. Es fehlt an Therapieplätzen, die von Krankenkassen übernommen werden, sogenannten Kassensitzen. Und das, obwohl die Arbeitsausfälle aufgrund psychischer Erkrankungen im Jahr 2021 einen Höchststand erreicht hat, unter anderem durch die während der Pandemie gestiegene Zahl an psychischen Leiden innerhalb der Bevölkerung. Über die Menge an Kassensitzen entscheidet der G-BA, der Gemeinsame Bundesausschuss, der sich aus Vertreter:innen der Ärzteschaft, der gesetzlichen Krankenversicherungen sowie von Patientenseite zusammensetzt. 2018 kam ein Gutachten des G-BA zu dem Schluss, dass über 2400 Kassensitze in Deutschland fehlen; nur knapp 800 wurden im Sommer 2019 in Auftrag gegeben.

Digitale Lösungen gegen den Therapieplatzmangel

Was bereits jetzt dabei helfen kann, die Versorgungslücke zu schließen: Digitale Lösungen wie Onlinekurse, Therapien oder Sprechstunden, die bereits einige HealthTechs für sich entdeckt haben.

So kann die App des Berliner Start-ups Selfapy bei einer Depression oder einer generalisierten Angst- oder Panikstörung unterstützen. Der dort angebotene 12-wöchige Onlinekurs hilft unserer Protagonistin Louisa dabei, negative Gedankenspiralen zu durchbrechen, Probleme aus anderen Perspektiven zu betrachten und eigene Kraftquellen zu stärken. Dazu muss Louisa sich von einem Arzt oder eine Ärztin eine Diagnose stellen und ein Rezept ausstellen lassen und bei ihrer Krankenkasse einreichen. Diese übernimmt die Kosten und stellt einen Code zum Freischalten des Onlinekurses aus. Ein Team aus Psycholog:innen steht Louisa auf Wunsch schriftlich oder telefonisch zur Seite, damit sie zum Beispiel Herausforderungen besser verstehen und die Kursinhalte optimal in ihren Alltag integrieren kann.

Auch die App HelloBetter setzt bei konkreten Symptomen an. Die App auf Rezept kann unter anderem bei Stress und Burnout, chronischem Schmerz sowie Angst- und Panikattacken helfen. Als zugelassene digitale Gesundheitsanwendung (DiGA) wird auch HelloBetter von privaten und gesetzlichen Krankenversicherungen übernommen. Die auf die Symptome der Nutzer:innen zugeschnittenen, 12-wöchtigen Kurse setzten auf unterschiedliche Methoden wie multimediale Inhalte, Übungen und persönliche Gespräche mit Psychotherapeut:innen.

Einen anderen Ansatz nimmt die Online-Plattform Nilo.health, die mentale Gesundheit am Arbeitsplatz in den Fokus und damit aus dem privaten auch in den beruflichen Kontext rückt. Nilo.health kann von Unternehmen gebucht werden und bietet 1:1 Sitzungen mit Psycholog:innen, Gruppenworkshops mit Coaches und Trainer:innen, Meditationen und selbstgeführte Programme an. Die Nutzer:innen und Teamleiter:innen bekommen Analysen und Insights zur eigenen und zur Entwicklung ihres Teams sowie individuell abgepasste Programm-Empfehlungen. Das Berliner Start-up verspricht, so die Resilienz der Mitarbeitenden sowie deren mentales Wohlbefinden zu stärken und präventiv gegen mentale Krankheiten, Burn-out und Depressionen vorzugehen. Auch bei konkreten Symptomen wie Angstzuständen oder Schlaflosigkeit kann Nilo.health unterstützen. So kann nicht nur die Unternehmenskultur verbessert und die Produktivität und Zusammenarbeit der Teams gesteigert werden, auch die Krankheitstage der Mitarbeitenden können potenziell vermindert werden.

Ganzheitlich zum mentalen Wohlbefinden

Herbert arbeitet in einem Büro und sitzt acht Stunden am Tag am Schreibtisch. Wenig Bewegung, kaum Sonnenlicht und frische Luft und eine einseitige Ernährung tragen nicht gerade zu seinem mentalen Wohlbefinden bei. Seitdem er sich im Sommer beim Fußball den Rücken verdreht hat, bleibt auch der Sport eher links liegen. Die dunkle Jahreszeit lässt sich auf Herberts Gemüt nieder: Seit einigen Wochen hat er Schlafprobleme, kann sich am Schreibtisch kaum noch konzentrieren, und schweift in Meetings mental ab. Vor allem aber nachts macht ihm sein Geisteszustand zu schaffen: Schläft er endlich ein, dann erst nach stundenlangem hin- und her wälzen und nach hunderten nicht ausgesprochenen Gedanken.

Doch auch Herbert können digitale Anwendungen Abhilfe verschaffen. Apps und Online-Plattformen wie Somnio und Meditopia bieten ganzheitliche Behandlungsmethoden, die Geist und Psyche ebenso berücksichtigen wie den Organismus.

Somnio ist eine zugelassene DiGA, die sich auf die Behandlung von Ein- und Durchschlafstörungen spezialisiert hat. Sie wurde von der 2014 in Zürich gegründeten Mementor GmbH entwickelt. Durch die Einordnung der eigenen Schlafprobleme, Entspannungstechniken und Tipps zum Umgang mit kreisenden Gedanken und Grübeln kann die Schlafzeit verbessert und die eigene Leistungs- und Konzentrationsfähigkeit für den Tag gesteigert werden. Das digitale Schlaftraining verspricht eine Symptomreduktion von 50 Prozent, eine um durchschnittlich 18 Minuten verkürzte Einschlafdauer und einen mindestens 12 Monate andauernden Effekt und beruft sich dabei auf eine 2019 von der Uni Zürich durchgeführte Studie.

Mit Meditationen, Achtsamkeits- und Schlafübungen, Musik, Klängen und Schlafgeschichten verspricht auch Meditopia eine schnelle und dauerhafte Abhilfe bei Stress und Schlafstörungen. Insbesondere sollen sich Nutzer:innen Achtsamkeit im Alltag antrainieren: Durch einen Zustand bewusster Geistesgegenwart, kann der alltägliche Stress und Trubel besser akzeptiert werden. Dadurch kann Achtsamkeit dabei helfen, die eigenen Gedanken und Gefühle besser kennenzulernen, und Zufriedenheits- und Glücksgefühle schaffen. Ähnlich wie Nilo.health bietet Meditopia Unternehmen die Möglichkeit, die Plattform für den Arbeitsplatz zu buchen, um den eigenen Mitarbeitenden Unterstützung für die mentale Gesundheit zur Verfügung zu stellen.

Für Louisa und Herbert bedeutet das: Statt einem halben Jahr müssen sie nur bis zum nächsten Arzttermin warten und können mit dem Rezept sofort in die Behandlung ihrer Symptome starten. Ihre jeweiligen Kurse, Sitzungen oder Trainingseinheiten können sie sich flexibel einteilen und überall abrufen, damit sind sie nicht an Zeiten, Orte oder Strukturen gebunden. So bekommt Louisa auch neben ihrer 50-Stunden-Woche Unterstützung und Herbert hat genug Zeit, um sich nebenbei auf eine gesündere Ernährung und mehr Sport und Bewegung zu konzentrieren.

Lust auf noch mehr HealthTechs?

Für eine Übersicht zu den HealthTechs im Dachraum kontaktiert uns einfach.

Die ersten beiden Beiträge verpasst? Kein Problem:
HealthTechs # 1: Eine neue Ära für das Gesundheitswesen (versicherungsforen.net)
HealthTechs #2: Rehabilitation und Nachsorge — New Players Network

Autorin

Marleen Heimann ist Mitarbeitende in der Kommunikation beim New Players Network.

HealthTechs #2: Rehabilitation und Nachsorge

In einer Blogreihe widmet sich das New Players Network den HealthTechs. Im zweiten Beitrag schauen sich unsere Autoren Pascale Ullmann und Max Krause Lösungen zur Rehabilitation und Nachsorge an.

Sommer, Sonne, Sportverletzung

Getränke sind kaltgestellt und die Steaks finden ihr Aroma in einer sorgsam komponierten Marinade. Eigentlich stehen die Zeichen gut für ein Grillfest, im Verlaufe dessen man mit Freunden und Familie die Lieblingsmannschaft in der Bundesliga anfeuert. Aber Moment. In der ganzen Vorbereitung ist wohl untergegangen, dass der Meister längst gekürt, die Schale übergeben und die Liga in der Sommerpause ist. Und da die Hitze in Qatar professionellen Fußball vor Anbruch der Nacht verhindert, ist zu allem Überfluss auch die WM in den Winter verschoben und kann hier nicht einspringen. Nun muss man vor lauter Schreck nicht gleich das Grillfest absagen, aber so ganz ohne Fußball genießt sich so eine Zusammenkunft doch etwas weniger.

„Naja“, denken sich die Gastgeber, „dann müssen wir eben selbst ran“. Louisa und Herbert waren schließlich richtige Knipser in der C-Jugend. In Windeseile ist der Rasen auf die englische Ideallänge gestutzt, gewässert und mit Rucksäcken als Pfosten präpariert. Gleich bei Eintreffen beginnen die Gäste also ihr persönliches WM-Finale und überspringen übermütig jede Aufwärmübung. Schnell wird klar, dass nicht nur das Ballgefühl von Louisa und Herbert unter den Jahren gelitten hat. Schon nach kurzer Zeit machen sich Schmerzen in Louisas Knie bemerkbar. Seit dem Skiunfall ist es leider nie vollständig ausgeheilt und so muss sie bald schmerzverzerrt vom „Feld“ humpeln. Auch für Herbert läuft es nicht besser. Bei seiner ehemaligen Spezialität – dem Zidane-Trick – verdreht er sich derartig, dass in seinem Büroarbeiter-Rücken nichts mehr in korrekter Stellung verbleibt. Für die beiden endet das Spiel ebenso spontan wie es entschieden wurde. Alle Beteiligten finden sich lädiert am Essenstisch zusammen und sondieren ihre schmerzenden Körper.

Vom kleinen Schmerz zum großen Problem

Die nächsten Tage sind für alle eine körperliche Tortur, die jedoch bald überstanden ist. Louisa und Herbert hat es hingegen schwerer getroffen. Louisa muss endlich ihr Knie auf Vordermann bringen. Herbert muss seinen Rücken und Fuß genauer checken lassen. Keiner von beiden weiß jedoch, wie man die Termine beim Arzt, Physiotherapeuten und Krankengymnastik mit dem engen Arbeitsalltag verbinden soll und entscheiden, das Problem zu vertagen. Als nach der Sommerpause passend zum Saisonstart erneut zum Grillfest und Fußballspielen eingeladen wird, müssen beide absagen, da ihre fortbestehenden Schmerzen jede sportliche Aktivität verhindern.

Mangelnde Alltagskompatibilität von herkömmlichen Therapie- und Rehabilitationsformen

So oder so ähnlich ergeht es einer Vielzahl deutscher Hobbysportler über den Verlauf des Jahres, die ihren Verletzungen auch aufgrund von Zeitmangel nicht die passende Behandlung zukommen lassen. Schmerzpunkte nehmen so an verschiedenen Stellen durch mangelnde Rehabilitation zu, reduzieren die Lebensqualität oder riskieren sogar Arbeitsausfälle und kostenintensive Therapien. Bereits kleine Sportunfälle können so zu schwerwiegenden körperlichen Einschränkungen und übermäßigen Belastungen des Gesundheitswesens anwachsen.  Ein strukturelles Problem des aktuellen Gesundheitswesens besteht in der häufig mangelnden Alltagskompatibilität von herkömmlichen Therapie- und Rehabilitationsformen.

Der demographische Wandel stellt das Gesundheits- und Versicherungswesen auf die Probe. So ist vor diesem Hintergrund davon auszugehen, dass die Kosten für Rehabilitation der Arbeitsfähigkeiten in Zukunft kontinuierlich steigen werden. Neue Rehabilitationsmöglichkeiten mittels digitaler Anwendungen können diese nicht nur effizienter hinsichtlich der Genesungsprozesse, sondern auch der Kosten gestalten und liefern damit eine wichtige Antwort auf den demographischen Wandel.

Ich habe Rücken – Wie HealthTechs die physische Rehabilitation unterstützen

Digitale Anwendungen finden immer größeres Potenzial in der Nachsorge. Glücklicherweise lässt sich die Rehabilitation[1] dadurch immer bequemer durch Anwendungen diverser HealthTechs gestalten. Dadurch, dass die PatientInnen zu einem selbst gewählten Zeitpunkt und in einer selbst gewäh­l­ten Umgebung die Angebote nutzen können, wird eine höhere Nutzer­freundlichkeit erreicht. Insbesondere für PatientInnen, die in strukturschwachen Regionen mit eingeschränkter Mobilität leben, kann dies einen absoluten Mehrwert bieten.

Im Feld der medizinischen Therapie und Prävention hat sich der neue Trend „Digital Therapeutics“ (DTx) entwickelt, der digitale Kommunikationsformen und Software nutzt, um den Zugang von Patienten zu Rehabilitation und Nachsorge zu erleichtern. Im Unterschied zu anderen Digital-Health-Anwendungen sind DTx-Produkte klinisch getestet, evidenzbasiert und zielen auf reelle Verhaltensänderungen bei ihren Nutzern ab. Mit Inkrafttreten des Digitale-Versorgung-Gesetz (DVG)[2] in Deutschland im Dezember 2019 kam ein regelrechter DTx-Boom auf. Durch das Gesetz wurden Gesundheits-Apps erstattungsfähig und für PatientInnen flexibler und schneller nutzbar.

Die digitalen Therapieformen können durch Wearables und Kameras ergänzt und durch die Daten zur motorischen Ausführung der Übungen und Vitaldaten ausgewertet werden. Findet diese Dateninterpretation in Echtzeit statt, nähern sich die Leistungen von DTx-Anwendungen an die echter ÄrztInnen und TherapeutInnen an. Die häufig überlasteten Physiotherapien werden damit entlastet und VersicherungsnehmerInnen können die verschriebenen Therapien schneller in Anspruch nehmen.

Der Dachraum beheimatet eine Reihe erfolgreicher, fortgeschrittener HealthTechs die sich auf die Therapie des Bewegungsapparates konzentrieren. Um ein paar Beispiele zu nennen: Kaia Health (75 Mio. USD Series C 2021), Caspar Health (9 Mio. USD Series B 2021) oder Temedica (17 Mio. USD Series A 2020). Aber auch Start-ups, wie eCovery, Pelvintense und Curalie bieten patienten- und krankheitsspezifische Online-Therapien an, die sich leicht in den Alltag integrieren lassen. Durch KI-gestützte Verfahren können die Symptome analysiert, ein geeigneter Trainingsplan entwickelt und die korrekte Übungsausführung kontrolliert werden.

Die 2019 entwickelte App von eCovery spezialisiert sich auf die Begleitung des Genesungsprozesses bei Gelenk- und Rückenschmerzen unter anderem von Arthrose-Patienten. Auch die Knieschmerzen von Louisa können durch eCoverys Therapieformen behandelt werden. Die Diagnose, die sie von ihrem persönlichen Arzt, per Selbsteinschätzung anhand eines eCovery-Fragebogens oder der eCovery-Videosprechstunde erhalten hat, stellt die Grundlage für das erstellte Physioprogramm dar. Da sie die interaktiven Videotrainings von zu Hause aus durchführen kann, passen diese besser in ihrem Arbeitsalltag. Der Trainingserfolg wird in regelmäßigen Analysen ermittelt, bei dem Beweglichkeit und Schmerzniveau erfragt werden. Diese Informationen werden mit Louisas persönlichen Physiotherapeuten und Arzt geteilt, der den gesamten Prozess begleitet und den Trainingsplan auf Basis der Zwischenergebnisse anpasst. Von Prävention und Diagnose über Therapie bis kontrollierende Nachsorge kann die Online-Physiotherapie-Plattform damit nahezu die gesamte Patientenreise abdecken.

Mit der Spezialisierung auf Rückenschmerzen deckt eCovery einen großen Zielmarkt ab und hilft bei der Lösung der aktuell zentralen gesundheitlichen Probleme. So klagen laut Robert-Koch-Institut 60 Prozent der Deutschen im Verlaufe eines Jahres über Rückenschmerzen. Dies macht den Rücken zum zweithäufigsten Auslöser von Schmerzproblemen nach Kopfschmerzen.

Auch das 2017 in München gegründete Health-Start-up Medical Motion widmet sich diesen häufigen Schmerzursachen. So liefern ihre Anwendungen gezielte Behandlungen von Rücken- und Kopfschmerzen wie Bandscheibenvorfälle und Migräne. Darüber hinaus decken sie ein weites Feld körperlicher Probleme wie Kniearthrose und Fersensporn ab. Hiermit kann auch Herbert geholfen werden, der endlich seinen Rücken stärken will, weil dieser durch die ständige Schreibtischarbeit stark belastet wird.

Anhand von persönlichen Zielen, Krankenhistorie, persönlichen Lebensstils, Arbeitsumständen und Symptome wird ein personalisierter Trainingsplan in Echtzeit aufgestellt. Die App geht über die klassische Physiotherapie hinaus, indem sie auf Basis der Therapieerfolge immer wieder neue Übungen empfiehlt. Neben der KI-Analyse werden die erhobenen Daten durch medizinisches Fachpersonal ausgewertet, die auf Basis dessen ihre Diagnosen und Therapieempfehlungen besser auf Herbert zuschneiden können.

So wie eCovery hat sich auch Pelvintense auf ein bestimmtes Problem spezialisiert. Mit der App können beispielsweise Betroffene von Inkontinenz, Errektionsproblemen oder Beckenschmerzen ein regelmäßiges Beckenbodentraining absolvieren. Die Angebote sind gezielt auf Männer zugeschnitten. Durch eine erhöhte Achtsamkeit für und Stärkung des Beckenbodens können Patienten ihre Symptome lindern und ihre alltägliche Lebensqualität erhöhen.

Das Berliner E-Health-Unternehmen Caspar Health wurde 2016 gegründet, mit dem Fokus digitale Rehabilitationslösungen anzubieten. Mit einem zeit- und ortsunabhängigen Versorgungskonzept ermöglicht die App flächendeckende Therapieangebote insbesondere in der Nachsorge. Durch die enge Partnerschaft mit Rehakliniken können medizinische Einrichtungen die digitale Rehabilitationsklinik nutzen, um während und nach der Entlassung aus dem Krankenhaus, online die Angebote durchzuführen. Medizinisches Fachpersonal beutreut die NutzerInnen über integrierte Chat- und Videofunktionen und übernimmt beispielsweise die Tele-Reha-Nachsorge im Auftrag von Partnerkliniken und Kostenträgern. 2022 wurde ein weiterer Meilenstein für das Health Start-up erreicht: mit ihrer multimodalen Tele-Reha-Nachsorge wurde Caspar Health in die unbefristete Regelversorgung der Deutschen Rentenversicherung aufgenommen.

Die Anwendungen von Curalie gehen weit über rehabilitierende Therapie und Nachsorge hinaus. Ihr Ziel ist es, den NutzerInnen, als ganzheitlicher und persönlicher Gesundheitscoach, zur Seite zu stehen. So erinnert die App an gesundheitliche Vorsorgetermine, bietet Präventionsprogramme, Online-Symptomanalysen, Aktivitätstracking, Videosprechstunden und telemedizinische Reha-Nachsorge an. PatientInnen bekommen damit nahezu alle Gesundheitsleistungen vor, während und nach einer Erkrankung geschlossen von einer Anlaufstelle angeboten.

Bewahrung des kindlichen Übermuts

Das Einzige, was Louisa und Herbert nach diesen Erkenntnissen über die Möglichkeiten moderner DTx- Start-ups enttäuscht, ist, dass sie diese nicht bereits zum Zeitpunkt ihrer Verletzungen kannten. Mit ihrem aktuellen Wissen über digitale Therapieformen wären Louisa und Herbert sicherlich zum Start der neuen Saison bereit für ihre Einwechselung. Sowohl Louisas Knie als auch Herberts Rücken wären gestärkt, um sich bedenkenlos der nostalgischen Freude hingeben zu können. Durch zielgerichtete Rehabilitation kann damit nicht nur die körperliche Fähigkeit wiederhergestellt, sondern ebenso die ständige Sorge, um künftige Verletzungen der geschwächten Körperpartien reduziert werden. Sicherlich kann ein sorgsamer Umgang mit dem eigenen Körper viele Probleme vermeiden, doch die ständige Sorge vor möglichen Verletzungen kann zu mentalen Belastungen führen. Es gilt also, sich einen gewissen kindlichen Übermut und naive Freude am Ungewissen zu bewahren. Auch wenn sich Unfälle nie vollständig vermeiden lassen, stellen HealthTechs mit ihren Rehabilitationsprogrammen eine Möglichkeit dar, die negativen Konsequenzen einzudämmen und retten damit vielleicht auch das nächste Grillfest.

Körper, Geist und Seele

Die Rehabilitationsangebote von HealthTechs gehen bereits weit über die Betreuung physiologischer Beschwerden hinaus. Auch für Erkrankungen der mentalen Gesundheit und Einschränkungen neurokognitiver Funktionen bieten sie passgenaue Lösungen an. Mithilfe von DTx kann damit ein breites Feld von Erkrankungen therapiert werden. Da die mentale Gesundheit einen der wichtigsten Ursachen für Arbeitsausfälle und eine der zentralen gesundheitlichen Herausforderungen moderner Arbeits- und Lebensweise darstellt, möchten wir uns diesem Thema im dritten Blogbeitrag zu Health Techs ausführlich widmen.

Den ersten Beitrag verpasst? Kein Problem: HealthTechs # 1: Eine neue Ära für das Gesundheitswesen (versicherungsforen.net)

[1] Als Rehabilitation wird die (Wieder)-Eingliederung eines körperlich oder geistig Erkrankten oder Behinderten in das berufliche und soziale Leben bezeichnet. Medizinisch geht es zur Erreichung dieses Ziels vor Allem um die Wiederherstellung der körperlichen und psychischen Fähigkeiten nach einem beeinträchtigenden Unfall oder einer Erkrankung.

[2] https://www.bundesgesundheitsministerium.de/digitale-versorgung-gesetz.html

HealthTechs #1: Eine neue Ära für das Gesundheitswesen

Pascale Ullmann und Max Krause über den Boom der HealthTechs, die Digitalisierung des Gesundheitssektors und die schöne neue Produktwelt, die damit einhergeht:

Doktor, ich habe Schmetterlinge im Bauch

An was denken sie, wenn sie nach Luca gefragt werden? Vielleicht an ein bekanntes Gesicht aus Schulzeiten? Ihre erste große Liebe und die Erinnerung an den wohl romantischsten ersten Kuss inmitten eines Sonnenblumenfeldes? Wahrscheinlicher ist es jedoch, dass sie die Assoziationen der meisten Deutschen dieser Tage teilen, die den Namen „Luca“ hören. Es geht um die Luca-App. So begleitet uns diese zwar stets und verlässlich ins Restaurant oder Museum, aber hier von einer intimen Freundschaft zu sprechen, wäre wohl zu viel des Enthusiasmus für Technologie.

Covid-19 & der HealthTech-Boom

Das Beispiel zeigt aber, dass insbesondere während der anhaltenden Covid-19-Pandemie der Umgang mit digitalen Produkten, Technologien und Dienstleistungen in Beziehung mit Gesundheit zu einem zentralen und allgegenwärtigen Thema geworden ist. Die letzten zwei Jahre haben verdeutlicht, welch entscheidenden Einfluss die Fortschritte der Digitalisierung auf das effiziente Funktionieren des Gesundheitssystem und dessen Peripherie haben kann.  Einige der digitalen Dienste, die uns auch im Umgang mit der Pandemie unterstützt haben, können als HealthTechs bezeichnet werden.

Der internationale Markt für HealthTechs erlebte daher selbst in Relation zum Wachstum der letzten Dekade, einen merklichen Boom. Während für 2020 noch ein Umsatz des digitalen Gesundheitsmarkts von 200 Milliarden Dollar prognostiziert wurde, soll sich dessen jährlicher Umsatz bis 2025 verfünffachen. [1] Derartige Aussichten erzeugen erhöhtes Interesse bei Investoren und so verdreifachte sich die Finanzierungssumme im europäischen und US-amerikanischem HealthTech-Markt 2021 gegenüber dem Jahr 2019.[2] Auch wenn die Wachstumsdynamik in Deutschland schwächer als in den USA oder im asiatischen Raum ausfällt, lässt sich eine klare Tendenz zu digitalen Gesundheitsangeboten identifizieren. Auch die Krankenversicherer sind sich diesem Trend bewusst und so gründeten deutsche Private Krankenversicherungen den Venture Capital Fond „Healcapital“, der innovativen Ideen in Form europäischer HealthTechs durch eine Finanzierung zur Marktreife verhelfen soll. Zweifelsohne handelt es sich also um ein Thema mit vielen neuen Facetten. Je mehr die digitale Gesundheit in den Fokus rückt, desto mehr gewinnt sie an alltagspraktischer sowie finanzieller Relevanz. Grund genug für uns, sich dieses vielfältige Thema einmal genauer anzuschauen und einen Einblick in die Trends zu digitalen Gesundheitsanwendungen zu geben.

Der Grundstein ist gelegt

Die Covid-19-Pandemie ist jedoch keinesfalls der erste Anstoß zur Steigerung der Digitalisierung des Gesundheitssektors und der alleinige Auslöser für die wachsende Nachfrage nach digitalen Angeboten. Sie ist ein Katalysator für bereits länger bestehende Trends im Gesundheitswesen, die durch die Pandemie schlagartig an Relevanz gewannen.

Den Startschuss, für die nur langsam fortschreitenden Digitalisierungsbestrebungen der Bundesregierung, legte das Gesetz zur Modernisierung der gesetzlichen Krankenversicherungen im Jahr 2004. Mithilfe dieser Reform wurde die Entwicklung der Telematikinfrastruktur bestimmt, die die verlustfreie Kommunikation zwischen sämtlichen Teilnehmern der Gesundheitsbranche ermöglichen soll.

Die noch vagen Bestrebungen bekamen durch das Inkrafttreten des E-Health-Gesetz im Jahr 2016 eine klare Identität. So wurden Arztpraxen verpflichtet, sich an die mittlerweile bestehende Telematikinfrastruktur und die Funktionen der elektronischen Gesundheitskarte anzubinden, um eine baldige Einführung der elektronischen Patientenakte zu ermöglichen. Zudem wurden telemedizinische Angebote wie Videosprechstunden bei Ärzt:innen gesetzlich ermöglicht.

Das 2019 in Kraft getretene Digitale-Versorgungs-Gesetz (DVG) markierte einen weiteren entscheidenden Schritt in der Gestaltung des legislatorischen Rahmens für eine digitale Gesundheitsbranche. Damit wurden nicht nur Apotheken und Krankenhäuser zur Anbindung an die Telematikinfrastruktur verpflichtet. Ebenso erhielten Ärzt:innen damit die Möglichkeit, digitale Gesundheitsanwendungen an ihre Patient:innen zu verschreiben.

2020 folgte dann das Patientendaten-Schutz-Gesetz (PDSG). Damit einher geht auch die Einführung der elektronischen Patientenakte, die die digitale Kommunikation zwischen Patient:innen und Ärzt:innen erleichtern soll. Medizinische Daten, wie Röntgenbilder, Befunde und Arztberichte, können von Ärzt:innen geteilt und aufgerufen werden. Außerdem sollen ab 2022 weitere Features wie der Impfpass, der Mutterpass oder das Zahnbonusheft in der elektronischen Patientenakte integriert werden.

Die (stetige) Entwicklung des Begriffs HealthTech

Worum handelt es sich bei HealthTechs nun genau und deckt dieser Begriff sämtliche Innovationen rund um die Digitalisierung der Gesundheit ab?

Gemeinsam mit den Fortschritten der Informationstechnologien in den 1990-er Jahren entwickelte sich der Begriff „eHealth“ (electronic Health), der damals besonders für die Möglichkeiten der medizinischen Kommunikation über das populärer werdende Internet stand. Gemäß dem Bundesministerium für Gesundheit umfasst der Begriff vor allem „die Unterstützung, Betreuung und Behandlung von Patientinnen und Patienten unter der Anwendung von Informations- und Kommunikationstechnologie“.[3]

Dass der Gedanke von E-Health noch einiges mehr zu umfassen scheint, wird durch den Umstand verdeutlicht, dass verwandte Begrifflichkeiten hinzugekommen sind.  Als um das Jahr 2010 Smartphones zum ständigen Begleiter wurden, entstand der Begriff „mHealth“ (mobile Health). Bei mHealth stehen vor allem Fitness- und Gesundheitsangebote, unterstützt durch mobile Endgeräte, wie Smartphones, drahtlose Endgeräte bzw. Patientenüberwachungssysteme, im Vordergrund. Seit 2015 wurde zusätzlich „Digital Health“ als Überbegriff von mHealth prominent, der die Eigenverantwortung von Endkunden zur Gesunderhaltung mithilfe digitaler Anwendungen betont.[4]

Zu den bereits ohnehin zahlreichen Bezeichnungen kam vor einigen Jahren mit dem Begriff „HealthTechs“ ein weiterer hinzu. Die Begriffsverständnisse gehen hierzu noch weit auseinander.[5] Aufgrund der Breite des Begriffes lassen sich HealthTechs und Digital Health nur schwer unterscheiden. Im Allgemeinen umfassen HealthTechs die Überschneidung von Medizin und Technologie, HealthTechs gehen jedoch über „Digital Health“ hinaus. Während Digital Health sich auf digitale Anwendungen rund umEndnutzer:innen beschränkt, stellen HealthTechs einen Überbegriff dar, der sowohl jede Technologie als auch jede Anwendung innerhalb der medizinischen Versorgung und des Gesundheitssystems umfassen kann.[6]

Digitale Gesundheitsanwendungen – Einstieg in eine neue Produktwelt

Widmen wir uns nun den aktuellen Trends in der Praxis. Hier geht es vor allem um die konsumentenorientierten „Digital Health“-Anwendungen. Neben den Anwendungen rund um die elektronische Gesundheitskarte und elektronische Patientenakte (ePA)[7], nennt das Bundesgesundheitsministerium die sogenannten Digitalen Gesundheitsanwendungen (DiGAs) als zentralen Bestandteil von Digital Health.[8] Dabei handelt es sich um eine Softwareanwendung – zumeist eine App, die auf digitaler Technologie beruht und einen medizinischen Effekt auf die Gesundheit der Anwender herbeiführt. Um die Erstattungsfähigkeit durch die Kostenträger zu gewährleisten, muss eine App als Medizinprodukt gemäß der CE-Kennzeichnung[9] in das Register der zugelassenen DiGAs aufgenommen werden. Infolge dieses Nachweises kann eine Anwendung im Rahmen der 2020 in Kraft getretenen DiGA-Verordnung von Ärzt:innen als „App auf Rezept“ verschrieben werden.

Die regulatorischen Anforderungen sind zum Schutz der Gesundheit sowie der persönlichen Daten der Patient:innen äußerst eng, sodass sich bisher nur ein Bruchteil der Digital Health Apps in Deutschland DiGA nennen können. Die Menge an nützlichen Gesundheitsapps geht also weit über das DiGA-Register hinaus. Auch die nicht zertifizierten Apps können von Patient:innen verschreibungsfrei und selbstständig genutzt werden. In Zukunft ist davon auszugehen, dass immer mehr Apps, beispielsweise rund um mentale Gesundheit oder physiotherapeutische Anwendungen, als offizielle Medizinprodukte anerkannt werden.

Versicherern ist zu empfehlen, auf dem Markt daher ständig nach neuen und vielversprechenden Anwendungen Ausschau zu halten. Durch die Finanzierung dieser können gegenüber konkurrierenden Wettbewerbern erhebliche Mehrwerte und einzigartige Angebote für Versicherungsnehmer geschaffen werden.

Neue Liebe rostet nicht

Im Gegensatz zu der Romanze mit der oder dem schüchternen Luca, die euch die ersten Schmetterlinge im Bauch schenkte, sind digitale Gesundheitsanwendungen gekommen, um zu bleiben. Welche Trends zukünftig den Markt beherrschen, lässt sich nur annäherungsweise prognostizieren.

Quellen zum Beitrag:

[1] Roland Berger. (2020). Future of Health – Der Aufstieg der Gesundheitsplattformen. https://www.rolandberger.com/de/Insights/Publications/Future-of-Health-Der-Aufstieg-der-Gesundheitsplattformen.html

[2] https://www.svb.com/trends-insights/reports/healthcare-investments-and-exits

[3] https://www.bundesgesundheitsministerium.de/service/begriffe-von-a-z/e/e-health.html

[4] Meister et al. (2017). Digital Health, Mobile Health und Co.- Wertschöpfung durch Digitalisierung und Datenverarbeitung. In: In Mario A. Pfannstiel, Patrick Da-Cruz, & Harald Mehlich (Hrsg.), Digitale Transformation von Dienstleistungen im Gesundheitswesen I. Springer Gabler.

[5] zur Übersicht verschiedener Begriffsverständnisse siehe: https://www.linkedin.com/pulse/what-healthtech-jorge-juan-fern%C3%A1ndez-garc%C3%ADa/?trk=public_profile_article_view

[6] https://www.healthtechbase.org/overview/

[7] zum Artikel ePA siehe: https://www.versicherungsforen.net/vertrieb-kunde/epa-fort-oder-rueckschritt-fuer-das-gesundheitswesen

[8] https://www.bundesgesundheitsministerium.de/service/begriffe-von-a-z/e/e-health.html

[9] https://www.twobirds.com/de/in-focus/digitale-gesundheitsanwendungen-DiGA

Autor:innen

Pascale Ullmann ist Head of Digital Solutions beim New Players Network

Max Krause ist Community Architect beim New Players Network.

Wenn ihr mehr über HealthTechs erfahren wollt, schaut euch: hier die neue Blogreihe der Versicherungsforen Leipzig an.

Das war die Start-up Session des diesjährigen MKS 2020

Was für zwei lehrreiche und spannende Tage mit so vielen unterschiedlichen Einblicken in die Welt des Schadenmanagement!

Und erst die Start-up Sessions des Messekongress Schadenmanagement & Assistance Wer hätte gedacht, dass Start-up Pitches auch virtuell so viel Spaß machen können? Wir hoffen, euch erging es genauso? Mit dabei waren sogar einige unserer treuesten NPN-Mitglieder!

Der erste Tag:

Los ging es am ersten Tag des MKS mit Blinkin, deren Co-Founder Josef zunächst von unserer wunderbaren Moderatorin und NPN-Kollegin Marianne kurz vorgestellt wurde. Er erläuterte uns in der knapp bemessenen Zeit das Geschäftsmodell von Blinkin und wie das InsurTech Versicherungsunternehmen dabei unterstützt, Schaden-Reports zu verstehen und zu erstellen, laut Josef: „visually, remotely, without drama“. Auch wies er auf Blinkin als hybrides System hin, welches eine Schnittstelle zwischen Automation, Visuals und Communication bietet.

Nach einer kurzen Überleitung ging es direkt weiter mit dem ersten NPN-Mitglied Peregrine Technologies, deren CPO und Founder Jorit in seinem englischen Pitch ihren Ansatz vorstellte, Verkehrssicherheit in Städten durch Verkehrsvideos zu verbessern. „We empower teams to build a safer and more sustainable mobility ecosystem for all“, drückt Jorit es aus. Dazu verwendet das InsurTech neueste Methoden der Bildverarbeitung und des maschinellen Lernens.

Auch hier waren die 10 Minuten viel zu schnell wieder vorbei und Cornelius vom NPN-Mitglied Tractable übernahm und erklärte den Zuhörern, wie Bilderkennung die KFZ-Schadenmanagement-Branche revolutionieren kann und wie ihre Kunden ihre Technologie beispielsweise über fiktive Abrechnungen oder Totalschadenprognosen einsetzen können.

Den Schluss der ersten Start-up Session bildete Albrecht von JAROWA, der uns die spannende Gründungsgeschichte des schweizer InsurTechs erläuterte (es fing an mit einem kaputten Wasserrohr…). Das Schweizer InsurTech JAROWA ist erst seit kurzem auf dem deutschen Markt aktiv und so konnten wir mehr über ihre Strategie auf dem deutschen Markt erfahren und was Win-Win-Win für sie bedeutet.

Nach der abschließenden kleinen Fragerunde gab es im Anschluss an den ersten Tag des MKS erstmal einen virtuellen Abschlussdrink als Belohnung, den sich auch wirklich alle verdient hatten!

Der zweite Tag:

Am zweiten Tag des MKS machte unser NPN-Mitglied ecovery den Anfang, unser ehemalige Rockstar Award Gewinner 2019. Geschäftsführer Benedict erläuterte uns, wie mit Hilfe ihres „Physiotherapeuten für die Hosentasche“ Folgeschäden bei Patienten vermieden werden sollen. Denn „wer den Schaden hat braucht für die Dokumentation nicht zu sorgen! Oder doch?“.

Nächster in der Reihe war Konfuzio, auch eines unserer treuesten NPN-Mitglieder, die in ihrem Pitch zunächst die Frage stellten, ob die ganze Aufregung um KI berechtigt und KI im Schadenmanagement überhaupt notwendig sei. Abschließend erläuterte uns der CEO und Co-Founder Christopher daher, auf welche Weise Konfuzio KI in ihr Unternehmen integriert.

Anschließend betrat Martin von AutomationHero die virtuelle Bühne und ging auf ihre Geschäftsidee ein, intelligente Prozessautomatisierung in die Branche des Schadenmanagements einzuführen. Dabei werden durch AutomationHero alle nötigen Aspekte des Claimsmanagement miteinbezogen, vom Menschen und Dokumenten bis hin zu Workflows und Einblicken in die jeweiligen Prozesse. Diese werden wiederum mit unterschiedlichen Tools verknüpft. Auch den virtuellen Assistenten Robin konnten wir kennenlernen.

Abschließen durfte die Start-up Session Paladino (ebenfalls treues NPN-Mitglied). Der Co-Founder und CEO Roman erläuterte uns in seinem Pitch, dass sich Menschen grundsätzlich nicht für Versicherungen interessieren und genau an diesem Punkt das Angebot Paladinos ins Spiel kommt, das sich dem Leben der Menschen anpasst und nicht umgekehrt (das Stichwort dazu lautet: „Contextual Insurance“). Das InsurTech aus der Schweiz verbindet dafür „(Insel-) Lösungen zu einem Service-Ökosystem“.

Damit kam nach einer kurzen Fragerunde und Abmoderation unserer bezaubernden Moderatorin Marianne auch die zweite Start-up Session zu einem Ende, ebenso wie der gesamte MKS.

Danke für eure Teilnahme!

Wir können uns nur noch einmal ausdrücklich bei allen Teilnehmern für die zwei spannenden Tage, die rege Teilnahme trotz virtuellem Format und eure Pitches bedanken und hoffen, wir sehen uns spätestens zum nächsten MKS am 27. & 28. April 2021 wieder! Denn ein Gutes hatte die Verschiebung des diesjährigen MKS: Wir müssen nicht ein ganzes Jahr auf den nächsten MKS warten! Bis dahin!

3 Fragen an Andreas von JAROWA

Wie ihr sicher schon mitbekommen habt, steht Ende September der Messekongress Schadenmanagement & Assistance der Versicherungsforen Leipzig vor der Tür, der dieses Jahr 100% virtuell stattfindet.

Einer der Teilnehmer ist das schweizer Start-up JAROWA, was sich in einem 10-minütigen Pitch vorstellen wird. Wir haben dem CEO und Co-Founder Andreas Akeret schon vorab einige Fragen zum Erfolgsrezept seines Teams, ihren persönlichen Highlights und dem nächsten großen Ding der Versicherungsbranche gestellt.

Nach diesen spannenden Antworten freuen wir uns umso mehr auf den Austausch am 29.&30. September und hoffen, euch bald in die NPN-Family mitaufnehmen zu können!

Ihr konntet euch im Schweizer Versicherungsmarkt in kürzester Zeit als Marktstandard etablieren. Wie lautet euer Erfolgsrezept?

Zentral für diesen Erfolg war ein erfahrenes Kernteam, das den Versicherungsmarkt bestens kennt und gleichermaßen über ausgezeichnete Kundenkontakte verfügt. Dies war eine zentrale Grundlage, um Pilotkunden zu gewinnen. Unsere Lösung – eine praktische digitale Plattform für die Abwicklung des Auftragsmanagements in allen relevanten Versicherungsbereichen wie KfZ, Sach- oder Rechtsschutzversicherung. All das haben wir Schritt für Schritt in enger Zusammenarbeit mit unseren Kunden konzipiert und gemeinsam umgesetzt.

Vom Start weg hatten wir dabei nicht nur die Perspektive der Auftragsseite, also der Versicherer eingenommen, sondern insbesondere die Netzwerk-Dienstleister, wie Werkstätten, Handwerker oder Anwälte als elementare Bestandteile betrachtet und als wertvolle Kunden behandelt. Erst dadurch war es Versicherern und Dienstleistern möglich, in zahlreichen Workshops an einem Tisch offen ihre Interessen zu vertreten und gemeinsam einen ganz neuen Marktstandard zu definieren – das ist es was JAROWA heute ausmacht – das vertrauensbasierte verknüpfen von Marktteilnehmern durch einfach nutzbare, digitale Systeme.

So konnten wir systematisch und in vertrauensvoller Kooperation aller Beteiligten eine Plattform etablieren, die eine Win-Win-Win Situation erzeugt, von der wirklich alle profitieren – Versicherer, Dienstleister und ganz direkt, die Versicherten selbst.

Was war bisher euer persönliches Highlight mit JAROWA?

Als Kernteam war unser Highlight als wir sahen, dass alle versicherungsrelevanten Netzwerke «Mobility», «Gebäude & Handwerk», «Gesundheitswesen» und «Rechtsberatung» schweizweit in allen Sprachen (Deutsch, Französisch und Italienisch) von unseren Kunden intensiv genutzt werden. Und dabei ganz besonders der Moment, als wir Feedback von Versicherern erhielten, dass sich ihre Mitarbeitenden eine Arbeit ohne die JAROWA Plattform nicht mehr vorstellen möchten – das hat uns total geflasht.

Mein persönliches Highlight allerdings war der allererste Auftrag, den ein Versicherungsmitarbeiter über die Plattform abgewickelt hat. Wir haben ihn mit einer sehr guten Flasche Wein geehrt und dabei herausgefunden, dass er kurz vor der Pension stand. Die Nutzung von digitaler Innovation – wenn verständlich umgesetzt – hat also nichts mit dem Alter zu tun.

Was wird in euren Augen das nächste große Ding in der Versicherungsbranche?

Niemand mag Veränderung und gerade Versicherungsnehmer verhalten sich in der Regel etwas träge gegenüber Innovationen, da Versicherung per se nicht das Thema ist, mit dem man sich privat intensiv auseinandersetzen möchte – es sei denn, es kommt zu einem Schadenfall.

Abgesehen von dem stattfindenden Technologiewandel in der Versicherungsbranche – die grossen Innovationen sehe ich im Bereich Convenience, also allem was einen direkten, fast unmerkbaren Nutzen erzeugt. Sei es in Verbindung mit digitalen Dienstleistungen, wie wir sie anbieten, oder auch bei Innovationen wie der Nutzung von IoT Produkten, wenn diese zu einem integralen Bestandteil von Versicherungsleistungen werden.

Wir danken Andreas ganz herzlich für das spannende Interview und sind gespannt, in eurem Pitch noch mehr zu erfahren!

Bild: Andreas Akeret (CEO und Co-Founder), Logo Jarowa

Eure Möglichkeit ganz groß rauszukommen! | Messekongress IT

Ihr wolltet euer Start-up schon immer mal auf großer Bühne vorstellen und habt keine Angst vor Lampenfieber?

Dann nutzt die Möglichkeit und bewerbt euch auf eine 7-minütige Pitch-Session vor mehr als 400 Teilnehmern auf dem Messekongress IT der Versicherungsforen Leipzig, der am 24. und 25. November in Leipzig stattfindet. Mit dabei sind viele spannende Aussteller und spannende Vorträge: Erfahrt zum Beispiel, was die Versicherungsbranche mit Netflix und Spotify gemein hat.

Ihr habt Interesse? Dann schickt eure Bewerbung bis zum 28. August an Robert!

Denn was gibt es schöneres als Networking nach all der Zeit des Home Office und des Social Distancing? (Inklusive Hygienekonzept natürlich 😉)

Wir sind schon ganz gespannt und freuen uns auf euch!

Last call: Die Bewerbungsfrist wurde auf den 11. September verlängert, also keine Ausreden mehr, wir freuen uns auf eure Bewerbung!

Bild: Unsplash / Kane Reinholdtsen & Logo MK IT der Versicherungsforen Leipzig

Brandneuer internationaler Neuzuwachs | CHERRISK

Nachdem wir erst kürzlich vier unserer Neuzugänge präsentieren durften, freuen wir uns sehr, nun auch CHERRISK als brandneues internationales Mitglied in unserer NPN-Family willkommen zu heißen!

Im September 2018 durch den österreichischen Versicherer UNIQA in Ungarn gegründet, spezialisiert sich CHERRISK auf das Angebot digitaler Hausrat-, Unfall- und Reiseversicherungen. Mit seinem digitalen Angebot will das InsurTech seinen Nutzern einen sicheren und nachhaltigen Lebensstil ermöglichen, indem es ihnen einen schnell und leicht verfügbaren Versicherungsschutz und eine sichere Online-Verwaltung bietet. Seit Anfang Juni ist CHERRISK auch auf dem deutschen Markt mit der App CHERRISK GO aktiv.

Die App CHERRISK GO fördert gutes, gesundheitsbewusstes Verhalten und kann auch ohne Abschluss einer Versicherung genutzt werden. So wird der Nutzer beispielsweise für jede fünf Minuten, die er zu Fuß oder auf dem Rad unterwegs ist, mit virtuellen Kirschen „Cherries“ 🍒 belohnt (daher auch der Name), die dann in Gutscheine und Prämien eingetauscht oder für einen guten Zweck eingelöst werden können.

Schön, dass ihr Teil des New Players Network seid. Wir sind uns sicher, dass mit euch gut Kirschen essen ist, CHERRISK, und freuen uns schon auf unsere gemeinsame Zeit und viele spannende Projekte!

Wenn ihr mehr über das Start-up, sein Konzept und seinen Markteintritt erfahren wollt, schaut gern in das kürzlich veröffentlichte Interview der Versicherungsforen Leipzig mit dem CEO von CHERRISK, Krisztián Kurtisz.

Mitarbeiter: 11-50 | Gründung: 2018 | Standort: Budapest

Give up or scale up: Start-ups in der Corona-Krise

Die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Krise stellen insbesondere junge Geschäftsmodelle vor existenzielle Herausforderungen. Mit welchen konkreten Folgen müssen Start-ups rechnen – und auf welche Chancen können sie bauen?

Lock-down = Knock-down?

Die gesamtwirtschaftlichen Auswirkungen sind schon jetzt, ohne dass sich ein Ende der Krise seriös prognostizieren lässt, immens. Die Wertschöpfung ganzer Branchen kommt zum Erliegen, weil Lieferketten zusammenbrechen, Dienstleistungen nicht mehr erbracht werden können oder die Nachfrage der Kunden schlichtweg nicht mehr vorhanden ist. Diese Auswirkungen betreffen natürlich auch Start-ups – und das auf unterschiedlichen Ebenen.

Einerseits kann das Geschäft direkt betroffen sein, sodass Nachfrage und Absatz selbst einbrechen. Start-ups, die das gerade massiv betrifft, sind natürlich jene, deren Geschäftsmodell auf Branchen wie z. B. der Reiseindustrie oder der Gastronomie fußt oder generell sehr analog aufgestellt ist. Andererseits werden auch Investments noch unsicherer und weniger selbstverständlich als bisher. Investoren, deren Branche selbst direkt von der Krise betroffen ist, müssen sich auf die eigene Situation und das Kerngeschäft fokussieren. Die Folge: Viele Investoren sind extrem vorsichtig geworden, ein sogenannter investment freeze belastet die Start-up-Landschaft. Hier liegt es nahe, sich mit weiteren Finanzierungsansätzen intensiver auseinander zu setzen. Die klassische Kreditfinanzierung kann in gewissen Entwicklungsphasen genauso eine Option sein, wie die verschiedenen Formen des Crowdfundings. Auch sollte im Auge behalten werden, welche Förderungen das BMWi (Bundesministerium für Wirtschaft und Energie) oder andere Institutionen bereitstellen werden. Natürlich ist der Kapitalbedarf sehr stark von der aktuellen Entwicklungsphase eines Start-ups und der eigenen Wachstumsstrategie abhängig. Dennoch kann und muss jedes Unternehmen, also auch Start-ups, die eigene Kostenstruktur und geplanten Investitionen kritisch hinterfragen, um so die Liquidität möglichst lange zu gewährleisten.

Corona als Entwicklungsbeschleuniger

e-bot7 entwickelt den „Corona Chatbot“

Erfreulicherweise gibt es in solchen Zeiten auch Unternehmen, die an Fahrt aufnehmen. Eine Krise birgt Chancen für Unternehmen mit neuen, aber auch bestehenden Geschäftsmodellen: Start-ups, deren Geschäftsmodelle in Bereichen wie Collaboration, E-Learning, Telemedizin oder Digitaler Vertrieb angesiedelt sind, erfahren in Phasen wie diesen einen Schub für ihre Value Proposition. Gleichzeitig erhält das Thema Digitale Plattformen noch mal eine ganz neue Gewichtung, weil sie über Initiativen wie #supportyourlocal anderen Unternehmen die Möglichkeit geben, ihre Produkte und Services weiterhin anzubieten – oder per se ein gutes „krisenfestes“ Geschäftsmodell haben. Wer so scheinbar völlig unberührt von der Krise seinen Umsatz vervielfachen und entsprechende Investments einsammeln konnte, ist Schüttflix, die mit einem der analogsten Güter, die man sich vorstellen kann, handeln: Schüttgut. Auch hier ist der Plattformgedanke ein wesentlicher Erfolgsfaktor für die aktuelle Entwicklung.

Ähnlich haben InsurTechs, deren Geschäftsmodelle sich im Kern mit digitalen Plattformen beschäftigen, eine sehr gute Ausgangslage, um auch derzeit weiter an Marktbedeutung zu gewinnen. So kann z. B. Wefox darauf bauen, dass ihr Geschäftsmodell, das sowohl Kunden als auch Versicherer und insbesondere Makler adressiert, keinen Einbruch befürchten muss, sondern vielmehr an Bedeutung gewinnt. Die hohe Kunst ist sicherlich, das eigene Geschäftsmodell und die Strategie unter den gegebenen Umständen zu pivotieren. Da es weniger bekannte und vorhersehbare Parameter gibt, an denen sich eine Anpassung der Unternehmensausrichtung orientieren kann, erscheint das in der aktuellen Phase schwieriger denn je. Umso wichtiger ist es, neue Zielgruppen, Geschäftsfelder und Use Cases schnell zu identifizieren und eng am Kunden zu entwickeln.

Auch hier gibt es Beispiele aus produzierenden Branchen, wie Jungfeld, die für schrille Socken bekannt sind und kurzfristig auf die Produktion von Masken umgestellt haben. Aber auch Technologie- und Service-Start-ups können ihr Geschäftsmodell auf besondere Herausforderungen in der Krise einstellen. So könnten z. B. Chatbot-Anbieter den validen Use-Case aufgreifen, „Corona-begründete“ Kundenkommunikation zu unterstützen, indem sie hochfrequente Kundenfragen effizient mit Hilfe eine Chatbots beantworten lassen. Ein Start-up, welches in diese Kerbe schlägt ist z. B. e-bot7.

Egal welchen Herausforderungen sich Gründer dieser Tagen gegenübergestellt sehen, unternehmerische Tugenden wie Mut, Ausdauer sowie Innovationsfähigkeit und Veränderungsbereitschaft sind aktuell mehr denn je gefragt. Wir sind davon überzeugt, dass viele der uns bekannten Start-ups gestärkt aus der Krise hervorgehen werden.

Habt ihr euer Geschäftsmodell im Zuge der Corona-Krise umgestellt oder einen spannenden Use Case geschaffen? Dann schreibt uns eine Mail und wir werden darüber berichten. Wir freuen uns auf eure Erfahrungen!

Bilder: Unsplash / Makenna Entrikin, e-bot7