Gewinnen, um noch besser zu werden: Die Sieger des Sustainable Rockstar Awards im Interview

Bei der Sustainable Insurance Conference haben wir erstmals einen Sustainable Rockstar gekürt. Durchgesetzt hat sich bei dieser Premiere die MAS green ideas UG – mit ihrem zukunftsweisendem Produkt “SustaAInable with AI”. Im Interview mit unserer Kollegin Elisa Strey sprechen Raphael Meyer-Alten und Lukas Nolte über ihr Produkt und ihre Pläne und Ziele für die Zukunft.

5 Fragen an Purpozed und Extrazwei

Noch zwei Wochen, dann heißt es Bühne frei für die Pitches zum Sustainable Rockstar Award – es wird also Zeit, die beiden finalen Pitch-Teilnehmer vorzustellen: purpozed und extrazwei bringen einen Social Entrepreneurship und Mental-Health-Fokus in die Runde. Beides wichtige Nachhaltigkeitsaspekte, die sicher noch eine spannende Zukunft in der Versicherungsbranche haben, wenn ihr uns fragt. Wir sind jedenfalls schon richtig gespannt auf die Pitches!

Extrazwei

Was genau macht ihr? Erklärt uns euer Unternehmen in drei Sätzen.

Wir unterstützen Menschen in Form von Workshops, Retreats und einer Ausbildung dabei eine mediale Resilienz aufzubauen, digitale Medien selbstbestimmt und gesund zu nutzen, ihr Stresslevel dauerhaft zu senken, ihre mentale Gesundheit zu stärken und dieses Wissen anderen weitergeben zu können.

Welchen Mehrwert hat euer Geschäftsmodell im Sinne von Rethinking Life?
Aktuell steigen die Belastungen, die durch die unkontrollierte Nutzung digitaler Medien in allen Lebensbereichen hervorgerufen werden, exponentiell an. Unsere Vision ist eine gute Digitalisierung, in der digitale Medien produktiv und kreativ als Hilfsmittel eingesetzt werden, damit sie das Leben aller Menschen bereichern und nicht zusätzliche Belastungen hervorrufen.

Wo seht ihr die größten Potenziale für nachhaltige Innovationen in der Versicherungsbranche und wo die größten Hürden?
Da der Umgang mit digitalen Medien jeden einzelnen Menschen, jede Firma, jede Institution betrifft, sehen wir großes Potential, darin, dass Versicherungsfirmen, den gesunden Umgang mit digitalen Medien als Angebot in ihr Portfolio mit aufnehmen.  Das könnte im besten Fall dazu führen, dass auch Firmen, die sich bisher Gesundheitsthemen eher verschließen, ein solches Angebot in Anspruch nehmen. Des weiteren können Versicherungsfirmen mediale Resilienz als Basis für alle Mitarbeitenden und beim Onboarding-Prozess anbieten, um so als Vorreiter zu einer gesunden Digitalisierung beizutragen. Die größte Hürde sehen wir zwischen dem Erkennen der Relevanz des Themas und der mangelnden Umsetzung, was aufgrund der steigenden Belastungen in einigen Jahren sehr teuer werden könnte.

Wie lebt ihr Nachhaltigkeit in eurem Arbeitsalltag?
Wir arbeiten im Homeoffice zumeist online, wodurch wir viele Ressourcen einsparen. Unsere Programme halten wir online ab oder fahren wenn möglich mit dem Fahrrad oder der Bahn zum Veranstaltungsort. Wir achten auf unsere persönlichen Ressourcen und halten Pausen ein. Wir versuchen überwiegend die Dienste europäischer Anbieter*innen (das gelingt leider nicht vollständig) in Anspruch zu nehmen. Wir beziehen Ökostrom, ernähren uns überwiegend biologisch und nehmen an der Aktion Foodsharing teil.  Wir achten auf eine Balance zwischen Analogem und Digitalem, um auf beiden Ebenen mit nachhaltiger Aufmerksamkeit präsent zu sein.

Wo fällt es euch persönlich am schwersten euch nachhaltig zu verhalten?
In der Auswahl etablierter digitaler Angebote, da hier häufig eine adäquate Alternative fehlt.

Purpozed

Was genau macht ihr? Erklärt uns euer Unternehmen in drei Sätzen.
Wir haben ein Marketplace-Tool entwickelt, mit dem Unternehmen schnell und einfach ein wirkungsvolles Corporate Volunteering-Programm einführen und mit minimalen Ressourcen managen können. Dadurch können sie ihren gesellschaftlichen Impact vergrößern, eine bessere ESG-Bilanz erreichen und eine stärkere Unternehmenskultur fördern. Geht sogar in zwei Sätzen.

Welchen Mehrwert hat euer Geschäftsmodell für Inklusion und Ermöglichung des Zugangs zu Versicherungen?
Unsere Lösung fokussiert das “S” (Social) innerhalb des ESG-Konzepts: Environmental Social Governance . Es geht um die Frage, wie sich Versicherungen als gute “Bürger” (Corporate Citizens) für das Gemeinwohl engagieren und eine zusätzliche gesellschaftliche Verantwortung übernehmen können. Neben dem direkten Impact auf die Gesellschaft gelingt es durch Corporate Volunteering hervorragend, das gesamte Thema Nachhaltigkeit – also auch das “E” und das “G” – fest in der DNA aller im Unternehmen handelnden Personen zu verankern. Und das ist wiederum die Basis aller nachhaltigen Initiativen von Unternehmen. Dafür sollten möglichst viele Beschäftigte ins Corporate Volunteering einbezogen werden (Stichwort Inklusion). Das gelingt am besten, wenn Unternehmen ihren Beschäftigten eine große Vielfalt an Engagementmöglichkeiten anbieten, die deren fragmentierten Interessen gerecht wird. Und genau das machen wir mit unserer Lösung möglich.

Wo seht ihr die größten Potenziale für nachhaltige Innovationen in der Versicherungsbranche und wo die größten Hürden?
Versicherer haben Geld. Und mit Geld können Dinge verändert werden. Ein großer Hebel liegt sicherlich darin, die durch Versicherungsprämien eingenommen Finanzmittel konsequent nachhaltig zu investieren. Das klingt erstmal nicht so cool wie “künstliche Intelligenz” oder “Blockchain”. Aber das Einhalten der „Principles for Sustainable Insurance“, der Finanzinitiative des UN-Umweltprograms, kann man durchaus als nachhaltige Innovation bezeichnen. Ohne die genauen Gründe und regulatorischen Details zu kennen, wäre es gut, wenn Versicherer noch mehr Geld in Unternehmen investieren könnten bzw. würden, die weltverändernde nachhaltige (Klima-)Innovationen vorantreiben.

Wie lebt ihr Nachhaltigkeit in eurem Arbeitsalltag?
Den allergrößten Effekt können wir auf jeden Fall erzielen, wenn wir es schaffen, dass sich durch purpozed mehr Unternehmen beziehungsweise deren Beschäftigte gesellschaftlich engagieren: Wir wollen in den kommenden Jahren drei Millionen Volunteering-Stunden vermitteln. Dass wir zum Beispiel ins Büro radeln und 100% papierlos arbeiten, fühlt sich zwar gut an, hat aber einen vergleichsweise geringen Impact.

Wo fällt es euch persönlich am schwersten euch nachhaltig zu verhalten?
Da müssen wir ehrlich sein: Wir wohnen in einer Altbauwohnung und fliegen hin und wieder in den Urlaub. Allein dadurch ist unsere persönliche Nachhaltigkeitsbilanz ziemlich eingetrübt. Wir kompensieren CO2 mit dem Wissen, dass es bei weitem besser ist, wenn Treibhausgase gar nicht erst entstehen. Reduktion des Fleischkonsums, Second-Hand-Klamotten, regionale/saisonale Lebensmittel – das alles fällt uns nicht schwer.

Ihr wollt mehr über den Sustainable Rockstar Award erfahren? Dann wagt einen Blick in unseren Blogartikel. Und wenn ihr euch auch über die anderen Pitch-Teilnehmer informieren wollt, werdet ihr hier fündig.

InsurTech-Übersicht #7

InsurTech-Übersicht #7 veröffentlicht

Es ist wieder soweit! Die Neuauflage der alljährlichen InsurTech-Übersicht ist da. In ihrer siebten Edition bietet sie einen Überblick über die mittlerweile 195 Start-ups der DACH-Region, die mit ihren innovativen Ansätzen und Lösungen Einfluss auf die Versicherungsbranche nehmen. In der diesjährigen Veröffentlichung kamen 31 neue Geschäftsmodelle hinzu.

Das ausführliche Material zu allen Start-ups stellen wir euch auf Nachfrage gerne zur Verfügung.

Die aktuelle InsurTech-Übersicht könnt ihr hier kostenlos herunterladen.

Start-up-Szene hat sich von der Corona-Pandemie weitestgehend erholt

In den letzten zwei Jahren der Corona-Pandemie ist die Zahl der Gründungen zurückgegangen, einige Start-ups mussten Insolvenz anmelden. Nun hat sich die Start-up-Szene weitestgehend von der Corona-Pandemie erholt und es ist eine Gründermentalität zu beobachten. Die Krise brachte neben einer neuen Fokussierung der Geschäftsmodelle auf Gesundheit und gesundheitliche Absicherung einen Digitalisierungsboom. Es stehen nun Eigenschaften wie Einfachheit, Wissensvermittlung und Erreichbarkeit im Mittelpunkt. Dies bietet großes Potenzial für zukünftige InsurTechs.

Unicorns und Decacorns tummeln sich auf dem InsurTech-Markt

Die Zahl der Unicorns, also Start-ups mit einer Marktbewertung von über einer Milliarde US-Dollar, wächst rasant. Mit Clark und Wefox tummeln sich seit Ende 2021 sogar zwei Unicorns auf dem InsurTech-Markt im DACH-Raum. Wefox hat sich bereits 2019 zum Unicorn entwickelt und ist seit einiger Zeit ein Multi-Unicorn. Die Zahl der Unicorns wächst rasant – längst sind es Decacorns, deren fabelhaften Status es zu erreichen gilt. Als Decacorn bezeichnet man ein Start-up, dessen Marktwert bei über zehn Milliarden US-Dollar liegt.

Top-Thema Nachhaltigkeit bietet Potenzial für InsurTechs

Branchenübergreifend beschäftigen sich Unternehmen mit dem Thema Nachhaltigkeit. Kund*innen legen immer mehr Wert auf nachhaltige Produkte – dementsprechend nimmt die Nachfrage nach nachhaltigen Produkten und Services zu. In der Versicherungsbranche geht es beim Thema Nachhaltigkeit längst um mehr als nur um grün gelabelte Produkte und nachhaltige Kapitalanlagen. Besonders InsurTechs können sich durch die nachhaltige Ausrichtung einen Wettbewerbsvorteil verschaffen. Je früher hier die Anpassung erfolgt, desto besser sind die Start-ups für die Zukunft gewappnet.

Versicherer holen sich den Markt zurück

Der Trend rund um Start-ups und InsurTechs ist mittlerweile auch bei den etablierten Playern der Branche angekommen. Große Versicherungen erschließen sich zunehmend den Markt, indem sie Tochterfirmen gründen oder in neue Geschäftsmodelle investieren. Die Angebote der Start-ups sind für das Kerngeschäft der Versicherer interessant oder sogar notwendig. Während früher insbesondere ausländische Investoren deutsche InsurTechs unterstützt haben, sind in den letzten Jahren auch deutsche Versicherer aktiv geworden und haben sich mit verschiedenen Beteiligungen einen Teil des Marktes gesichert. Große Firmen suchen vermehrt nach Innovationsimpulsen von außen, um ihre eigene Zukunftsfähigkeit zu sichern.

„2021 war ein Jahr der Erholung im InsurTech-Markt, nach der Corona-Krise ist nun wieder eine Gründermentalität zu beobachten. Die Relevanz der InsurTech-Szene wird auch 2022 weiter zunehmen. Das Thema Nachhaltigkeit wird mehr und mehr in den Fokus rücken und wir werden mehr von erfolgreichen Unicorns und vielleicht sogar Decacorns hören.”

5 Fragen an payactive und Mas Green Ideas

Neue Woche, neue Pitch-Teilnehmer: Dieses Mal stellen wir unsere fünf Fragen an paycative und MAS Green Ideas – beide Start-ups haben einen einzigartigen Blick auf die Chancen und Herausforderungen, die sich der Versicherungsbranche jetzt und in den nächsten Jahren in Bezug auf Nachhaltigkeit stellen. Ihr habt die Vorstellungsrunde von letzter Woche verpasst, wollt euch aber über alle Pitch-Teilnehmer informieren? Dann klickt hier

Payactive

Was genau macht ihr? Erklärt uns euer Unternehmen in drei Sätzen.
payactive ist eine digitale Zahlungsplattform im Verantwortungseigentum, die durch effiziente digitale Zahlungsprozesse regenerativen Impact schafft und damit aus Unternehmen und Privatpersonen Alltagshelden macht. Das schaffen wir im Rahmen des payactive socialcashback, eines Anteils an den Transaktionskosten jeder Zahlung, die payactive an regenerative Projekte weiterspendet. Konkret bieten wir eine Lösung für Digitales Onboarding (Kunden-/Kontoverifizierung), Smart-Payment-Processing, Late-Payment-Management & eine positive Customer-Interaction.

Welchen Mehrwert hat euer Geschäftsmodell für Versicherungsprodukte im Sinne von Rethinking Life?
Hier sehen wir unseren Mehrwert auf 2 Ebenen: Hauptsächlich ermöglichen wir den reibungslosen und digitalen Ablauf von Payment Prozessen rund um Versicherungsprodukte.
Zusätzlich bietet wir eine aktive Einbindung von Nachhaltigkeitsthemen in den Paymentflow durch den payactive socialcashback. Dabei unterstützen wir verschiedene regenerative Projekte im Sinne der UN Nachhaltigkeitsziele und werden davon noch mehr in Zukunft unterstützen. So arbeiten wir aktuell aktiv mit zwei Organisationen zum Klimaschutz zusammen, die Aufforstungen möglich machen und so aktiv dem Klimawandel entgegenwirken.

Insgesamt schaffen wir im Bereich Payment Processing eine langfristige CSR-Lösung für Unternehmen und machen tagtägliches soziales und nachhaltiges Handeln so einfach wie möglich.

Wo seht ihr die größten Potenziale für nachhaltige Innovationen in der Versicherungsbranche und wo die größten Hürden?
Wir setzen mit dem payactive socialcashback am Hebel der allgegenwärtigen Finanztransaktionen im Bereich Versicherungen an und sehen hier eins der größten Potenziale. Warum? Weil hier sowieso Geld von A nach B fließt und Versicherungskund:innen ohne Extraaufwand direkt beim Zahlen ihrer jeweiligen Versicherung einen (kleinen) Beitrag zu einer enkel:innenfähigen Welt leisten können.

Ein oft diskutierter Punkt, auch bei uns im Team, ist die Nachhaltigkeit von Geldanlagen, was ja für Versicherungen ein wichtiges Thema ist. Hier sehen wir die Kontrolle der (oft selbst gegebenen) Nachhaltigkeitskriterien als eine der größten Hürden an. Außerdem sehen wir schnelles Entscheiden als wichtige Grundlage für ein angemessenes Reagieren auf die heutigen Nachhaltigkeitsherausforderungen – z.B. beim Klimaschutz. Und hier könnte es großen Versicherungskonzernen oft schwer fallen, diese Beweglichkeit an den Tag zu legen.

Wie lebt ihr Nachhaltigkeit in eurem Arbeitsalltag?
Wir arbeiten meist von zuhause aus, verlegen Kund:innentreffen und Teammeetings in die virtuelle Welt anstatt dafür quer durch Deutschland zu fahren und außerdem bringen wir, falls wir ins Büro gehen, unser Mittagessen von zuhause mit oder benutzen zumindest Mehrwegbehälter für das Mittagessen To Go 😉

Wo fällt es euch persönlich am schwersten euch nachhaltig zu verhalten?
Südfrüchte wachsen in Deutschland leider nur sehr begrenzt 😉 Und der nachhaltige Umgang mit den persönlichen (körperlichen) Ressourcen wird im Team auch immer wieder diskutiert, denn wir glauben, dass der liebevolle Umgang mit sich selbst auch ein Schlüssel zum wertschätzenden Umgang mit der Welt im Sinne der Nachhaltigkeit ist.

MAS Green Ideas

Was genau macht ihr? Erklärt uns euer Unternehmen in drei Sätzen.
Soziokulturelle und strukturelle Rahmenbedingungen sind eng verbunden mit persönlichen Präferenzen bei Konsum- und Investitionsentscheidung. Unser Ziel ist es am Beispiel Versicherungen und Finanzdienstleistungen zu zeigen, dass Menschen mit der richtigen Art der Unterstützung dauerhaft geholfen werden kann, ein nachhaltigeres Leben zu führen, ohne das es sich anstrengend anfühlt. Mit unserem Produkt sustAInable with AI wollen wir eine Entscheidungsheuristik etablieren, die bei Produktberatungen eingesetzt werden können, um die individuellen Präferenzen der Kund:innen zu verstehen, Nachhaltigkeit zu fördern und sofern notwendig, auch rechtssicher zu dokumentieren.

Welchen Mehrwert hat euer Geschäftsmodell in den Bereichen Adaptation/Inclusion und/oder Rethinking Life?
Wir sehen eine große Lücke, der in Prosa formulierten Nachhaltigkeitsbemühungen der (Versicherungs-)Unternehmen, die im CSR-Bericht verpackt werden, ggü. “knallharter” Wirkungsmessung. Wichtig ist uns dabei insbesondere den Schutz der planetaren Grenzen in den Fokus zu nehmen. Dies gilt sowohl für das Themenfeld “Nachhaltigkeit”, als auch das Themenfeld “Versicherung”. Denn wie dargelegt, erscheinen besondere Anstrengungen notwendig, Klarheit auf Seiten der Endverbraucher zu schaffen. Unsere Vision ist es, Menschen, unabhängig von Herkunft, Bildung oder Status, niedrigschwellige Lösungen für ein nachhaltigeres Leben anzubieten sowie miteinander zu vernetzen, um einen besseren Planeten zu hinterlassen. Unser Vorschlag erscheint bei Versicherungen und Finanzen recht simpel. Die Interessent:innen und Kundi:innen sollte entscheiden, welche Kriterien für wichtig oder am wichtigsten hält. Diese Individualisierung kann, analog des magischen Dreiecks der Geldanlage, Präferenzen einfach und verständlich abbilden. Es entsteht am Ende ein persönliches Dreieck der Nachhaltigkeit.

Wo seht ihr die größten Potenziale für nachhaltige Innovationen in der Versicherungsbranche und wo die größten Hürden?
Die Anzahl der chronischen und akuten Klimagefahren werden selbstredend nicht kleiner, desto weiter der menschengemachte Klimawandel voranschreitet. Und die Klimarisiken sind nur eine Seite der Medaille. Denn sollte das 1,5° Ziel des Pariser Klimaabkommens von 2015 Realität werden, bündelt die Versicherungswirtschaft große Transitionsrisiken in den kommenden Jahren. Natürlich sind die transitorischen Reibungen das geringere Übel. Sollte die Erwärmung nicht gestoppt werden können, stehen euch physische Risiken ganz anderer Größenordnung bevor. Jede risikoorientierte Perspektive kann natürlich auch in chancenorientierte Perspektive verwandelt werden – sofern die Risiken proaktiv angegangen werden. Insofern glauben wir, das an allen Ecken und Ende dieser Betrachtung großartige Innovation möglich sind.

Wie lebt ihr Nachhaltigkeit in eurem Arbeitsalltag?
Wir versuchen Transparenz erlebbar zu machen und auch Zielkonflikte aufzuzeigen. Wir haben bspw. im Versicherungsboten einen Artikel veröffentlicht, indem wir darauf aufmerksam gemacht haben, dass für 90% der (potenziellen) Kunden:innen eine Bewusstseins-Lücke besteht. Und dann ergänzt, dass wir als Autoren uns auch dazu zählen. Denn im Lichtkegel Nachhaltigkeit erscheinen Ergebnisse und Perspektiven oft ambivalent und das verlangt uns auch einiges ab. Alleine schon, dass das Kernteam aus weißen Männern besteht, ist im Hinblick auf SDG 5 problematisch. Wir versuchen einfach das Offensichtliche anzusprechen, auch wenn wir dann moralisch nicht immer optimal dastehen. Um dem Rechnung zu tragen, haben wir die SDG’s, Purpose und Gemeinwohlorientierung in Satzung und Unternehmenszweck aufgenommen. Unsere Vision und Mission speisen sich aus dem persönlichen Ikigai. Daran halten wir uns auch bei jeder Entscheidung.

Wo fällt es euch persönlich am schwersten euch nachhaltig zu verhalten?
Uns fällt es im Prinzip oft schwer. Das klingt paradox, aber wir haben viele Informationen zum Thema Nachhaltigkeit. Gut und schlecht ist eben oft nicht so eindeutig, wie es auf den ersten Blick aussieht. Beispiel Apfel: ein neuseeländischer Braeburn Kulturapfel scheint auf den ersten Blick eine katastrophale CO2-Bilanz aufgrund des Transportweges zu haben. In Abhängigkeit des Zeitpunktes des Kaufes kann der monatelang bei 6° Celsius eingelagerte Boskoop-Apfel aus der Region diese (negativ) Bilanz aber übertreffen.

Ihr wollt mehr über den Sustainable Rockstar Award erfahren? Dann wagt einen Blick in unseren Blogartikel. Und haltet die Augen offen, bald stellen wir euch die nächsten Pitch-Teilnehmer vor!

5 Fragen an Preventio und ESGendium

In etwa einem Monat findet zum ersten Mal unsere Sustainable Insurance Convention statt. Und wir freuen uns schon riesig darauf, als besonderes Highlight den ersten Sustainable Rockstar Award einem von sechs Start-ups, die uns dort in einem Pitch ihr Geschäftsmodell vorstellen werden, verleihen zu dürfen. Damit ihr wisst, auf welche spannenden Unternehmen ihr euch freuen dürft, hier eine kleine Sneak Peak zu den ersten beiden Teilnehmern: 

ESGendium

Was genau macht ihr? Erklärt uns euer Unternehmen in drei Sätzen.

Wir bieten kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU) eine digitale Plattform, die ihnen dabei hilft, die hochkomplexen ESG (Environment, Social and Governance) Kriterien einfach und schnell umzusetzen. Dabei liegt unser Fokus speziell auf jenen Unternehmen, die keine oder nur wenige ESG-Vorkenntnisse haben. Unser automatisierter Prozess nimmt die Unternehmen von Beginn an an die Hand und führt sie durch den ESG-Dschungel.

Welchen Mehrwert hat euer Geschäftsmodell für Klimaschutz- und Anpassung an den Klimawandel?

Mit Hilfe unserer Software beschäftigen sich KMUs frühzeitig mit Nachhaltigkeitsthemen und natürlich auch mit den Umwelt-Fokusthemen Klimaschutz und Anpassung an den Klimawandel.
99,5 Prozent aller 3,6 Millionen Unternehmen in Deutschland sind KMUs. Sie sind das Rückgrat der deutschen Wirtschaft. Der Großteil aller KMUs hat noch kein ESG-Setup, auch weil den meisten KMUs das Budget für interne Nachhaltigkeitsexperten oder teure ESG Berater fehlt. Sie müssen sich also selbst damit beschäftigen, was sehr oft dazu führt, dass das Thema gar nicht angegangen wird. Schaffen wir es also die 3,5 Mio. Unternehmen bei der Umsetzung der ESG Kriterien zu unterstützen, und sie durch unseren preiswerten und leicht verständlichen Ansatz dazu zu bewegen sich jetzt und nicht erst in ein paar Jahren mit Themen wie THG-Emissionsreduktion und Anpassung an den Klimawandel zu beschäftigen, dann wäre unser Impact immens.

Wo seht ihr die größten Potenziale für nachhaltige Innovationen in der Versicherungsbranche und wo die größten Hürden?

Versicherungen brauchen ESG-Daten, um Risiken zu bewerten. Und ESG-Risiken werden für die Bewertung und Bepreisung von Versicherungsrisiken weiter erheblich an Bedeutung gewinnen. Mit nutzbaren ESG Daten können Versicherungen KMUs neue, innovative Produkte anbieten (Versicherung von Klimarisiken, Supply Chain Risiken, Datenschutzrisiken, etc.). Zudem ermöglichen ESG-Daten erst eine adäquate Bepreisung von bestehenden Produkten (Zahlungsausfall von Kunden, Produktionsausfall). Darin sehen wir immenses Potenzial.

Die größten Hürden sind noch immer fehlende einheitliche Standards bei der Erhebung von ESG-Daten und die teilweise schwierige Vergleichbarkeit von Daten. Darüber hinaus bereiten ein Mangel an ESG-Spezialisten und viele schwer integrierbare ESG-Insellösungen auch der Versicherungsbranche große Schwierigkeiten.

Wie lebt ihr Nachhaltigkeit in eurem Arbeitsalltag?

Wir versuchen den Ressourcenverbrauch für unser Unternehmen zu minimieren. Selbst für ein nicht produzierendes Unternehmen das auf SaaS-Dienstleistung fokussiert ist, ergeben sich noch einige Möglichkeiten: Komplette Digitalisierung aller Prozesse (mehr als 2 Aktenordner brauchen wir nicht), häufiges Homeoffice, möglichst alle Meetings digital, keine neuen Büromöbel, Sharing von Bürokapazitäten, etc.

Wo fällt es euch persönlich am schwersten, euch nachhaltig zu verhalten?

Wenn es schnell gehen muss, ins Büro zu kommen, passiert es, dass man dann doch auf das Auto umsteigt anstatt den ÖPNV zu nutzen. Es fällt manchmal auch schwer, beim täglichen Lebensmitteleinkauf immer mitzudenken, wie man seinen ESG Fußabdruck am besten reduzieren kann, insbesondere, wenn man nach einem langen Arbeitstag nicht mehr so aufnahmefähig ist.

Preventio

Was genau macht ihr? Erklärt uns euer Unternehmen in drei Sätzen. 

Preventio ist der Entwickler der ersten Softwarelösung zur zuverlässigen Vorhersage von Gebäudeschäden. Unsere Predictive Maintenance Plattform prognostiziert mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz (KI) das Risiko von Gebäudeschäden. Damit unterstützen wir Versicherungen, Wohnungsbaugesellschaften sowie Leitungsrohrhersteller bei der Risikoerkennung, Schadensminimierung.

Welchen Mehrwert hat euer Geschäftsmodell im Bereich Nachhaltigkeit?

Unsere Predictive Maintenance Plattform adressiert drei Ziele für nachhaltige Entwicklung: Die Integration von disruptiven Technologien treibt proaktiv die Digitalisierung in traditionellen Branchen wie der Versicherungswirtschaft voran. Durch den Ansatz der vorausschauenden Wartung tragen wir sowohl zur Ressourcenschonung bei Bau und Sanierung als auch zur Vermeidung von unnötigen Wasserverlusten durch undichte Rohre bei. Ferner werden Gesundheitsrisiken wie Schimmel, Keimbelastung, Lärm und die damit einhergehende psychische Belastung von Bewohnern reduziert.

Wo seht ihr die größten Potenziale für nachhaltige Innovationen in der Versicherungsbranche und wo die größten Hürden?

Die größten Potenziale in der Versicherungsbranche sehen wir in der Digitalisierung bestehender, Prozesse und Systeme, die eine effizientere Ressourcenplanung ermöglicht. Darüber hinaus ermöglicht unsere Technologie präventives und nachhaltiges Vorgehen anstelle des derzeitigen reaktiven Ansatzes vieler Versicherer.
Die größten Hürden sind, unserer Erfahrung nach, die Nutzung und Verfügbarkeit von Daten. Oftmals werden obsolete Technologien und IT-Systeme genutzt, auf denen grundlegende versicherungstechnische Prozesse aufgebaut sind. Um diesen Paradigmenwechsel zu meistern, bedarf es vorab investierter Ressourcen und der Priorisierung von KI-gestützten Lösungen.

Wie lebt ihr Nachhaltigkeit in eurem Arbeitsalltag?

Für Preventio hat Nachhaltigkeit viele Facetten, und während wir mit unserer Lösung komplexe und große Nachhaltigkeitsprobleme angehen, stellen wir auch die kleinen alltäglichen Aktivitäten unter dieselbe Mission.
So teilt sich Preventio beispielsweise Büroräume mit anderen Unternehmen (Coworking Space), was den Ressourcenverbrauch, z. B. von Strom, erheblich reduziert. Außerdem ist für uns als Tech-Start-up Remote Working ein wichtiger Teil unserer DNA. Das bedeutet, dass wir unnötige Meetings und Reisen vermeiden und uns auf digitale Lösungen verlassen. Darüber hinaus achten wir besonders auf die Nachhaltigkeit und Regionalität der Produkte, die wir im täglichen Arbeitsalltag benötigen.

Wo fällt es euch persönlich am schwersten euch nachhaltig zu verhalten?

Viele Kunden wünschen sich nach wie vor, dass wichtige Termine vor Ort stattfinden. Während wir generell die meisten Termine online wahrnehmen und immer nach nachhaltigen Mobilitätsalternativen suchen, könnten wir hier unsere CO2-Emissionen weiter reduzieren und weitere Alternativen schaffen. Dabei gilt es, den Spagat zwischen professioneller Kundenbeziehung und einer nachhaltigen Reisepolitik zu meistern.

Ihr wollt mehr über den Sustainable Rockstar Award erfahren? Dann wagt einen Blick in unseren Blogartikel. Und haltet die Augen offen, bald stellen wir euch die nächsten Pitch-Teilnehmer vor!

FemTech – mehr als nur ein Modebegriff?

Auch in diesem Jahr setzt der internationale Frauentag ein Zeichen für die Bedeutung von Frauen auf dem gesamten Planeten. Und für die weiterhin bestehende Notwendigkeit von Bemühungen für eine vollständige Gleichberechtigung. Unter dem Motto #breakthebias wird für eine Welt frei von Vorurteilen und Diskriminierung geworben, von denen insbesondere Frauen betroffen sind. So werden Frauen weiterhin nicht nur sozioökonomisch benachteiligt, wie der Gender Pay Gap zeigt. Durch die starke Orientierung medizinischer Forschung am stereotypisierten männlichen Körper, erfahren Frauen auch im Bereich der körperlichen Gesundheit Nachteile. Passend zum internationalen Frauentag geben wir daher einen Einblick über sogenannte FemTechs, die sich dem Thema weiblicher Gesundheit widmen. Wir erklären, was unter FemTechs zu verstehen ist, welche Debatte sie auslösen und wie sie nicht nur den Gesundheitsmarkt revolutionieren können.

Was ist ein FemTech?

Der Begriff Female Health Technology (FemTechs) wurde erstmals 2016 bekannt, als ihn die Gründerin Ida Tin im Kontext ihrer Perioden Tracking App „Clue“ prägte. Als ihr klar wurde, dass männliche Investoren Schwierigkeiten damit hatten, über Produkte speziell für den Frauenkörper zu diskutieren, versuchte sie, mit der Einführung eines neutralen Wortes Raum mehr Verständnis  zu schaffen. Als Unterkategorie der HealthTechs – heben FemTechs die Gesundheitsbedürfnisse der Frauen durch technologische Lösungen hervor. Zu den Gesundheitsprodukten zählen eine Reihe frauenspezifischer Themen, etwa Menstruation, Schwangerschaft, Menopause und die sexuelle Gesundheit. Aber auch Themen, die die mentale Gesundheit betreffen oder Krankheiten, von denen Frauen überproportional betroffen sind, spielen eine wichtige Rolle. Durch einen Wandel des Diskurses wurden in den letzten Jahren Themen zu sozialer Gleichberechtigung von Frauen prominenter, wie an der Einführung verbindlicher Frauenquoten für DAX-Unternehmen ablesbar ist. Aber auch die besonderen gesundheitlichen Herausforderungen von Frauen geraten zunehmend in den Blick der Öffentlichkeit. Inzwischen gibt es weltweit über 200 FemTech-Start-ups und mehr als 3000 FemTech-Apps.[1]

Darüber hinaus stehen FemTechs nicht nur für digitale und analoge Anwendungen. Vielmehr möchten sie ein Female Empowerment bewirken, indem sie sich bewusst mit dem weiblichen Körper auseinandersetzen. Durch Sensibilisierungskampagnen, beispielsweise zu Endometriose oder zur gemeinhin tabuisierten Menstruation, werden diese Themen normalisiert und damit von ihrer schambehafteten Aufladung befreit. Diese neugewonnene Offenheit soll weibliche Nutzer:innen darin bestärken ihre eigene Gesundheit proaktiv zu schützen.

Die FemTech-Debatte

Als der Begriff Ende 2016 langsam die Runde machte, löste er eine Debatte aus. Immer wieder kam die Frage auf, warum diese Angebote als rein weibliche Probleme bezeichnet werden. Einige Gründer:innen fühlten sich unwohl und befürchteten, dass ihre Innovationen als Diversity-Phänomene oder Randlösungen degradiert werden. Stattdessen wollten Gründer:innen eher, dass ihre Angebote als Biotech oder HealthTech bezeichnet werden. So führe die Betonung der weiblichen Nutzerschaft der Lösung („Fem“) zu einer stillen Akzeptanz des sozialen Fokus auf Männer und deren Besonderheiten. Während männliche Gesundheit normalisiert und im Rahmen von allgemeinen Health Techs behandelt wird, werden Gesundheitsanwendungen für die weibliche Hälfte der Bevölkerung durch den Zusatz „Fem“ als andersartig und marginal gekennzeichnet. Oder habt ihr schon mal etwas von MaleTechs gehört?

Ein wohl treffendes Beispiel ist die „Pink Tax“. Dabei handelt es sich um den Mehrpreis für Produkte, die speziell auf ein bestimmtes Geschlecht ausgerichtet sind. Traditionell handelt es sich hier um Produkte, die für Frauen hergestellt wurden und eine Preiserhöhung implizieren. Marketing, welches das Gegenteil bewirkt! Eine Studie der Havard Business School (2019) fand heraus, dass Frauen genderspezifische Produkte eher abschreckend statt anziehend finden.[2] Besteht diese Abneigung nun auch gegenüber dem Begriff FemTech?

Im Gegenteil – mit einem übergeordneten Begriff bekommt die Gesundheit von Frauen die notwendige Aufmerksamkeit. Es impliziert aber nicht, andere Individuen im Geschlechterspektrum abzulehnen, sondern soll deutlich machen, dass der Gesundheit von Frauen eine Bedeutung beigemessen werden muss, die andere Branchen in der Vergangenheit kaum eingeräumt haben.

Investitionen, die sich lohnen

Bis heute ist auf FemTech-Finanzierungsrunden eine gewisse Zurückhaltung von Geldgebern wahrzunehmen.  Nicht selten werden FemTechs von Frauen gegründet. Investoren dagegen sind allermeist Männer. Doch gibt es auch FemTechs, die Erfolgsgeschichten zeigen, nach denen sich die Branche sehnt. Hier einige Beispiele:

  • Clue App – hat 2021 die FDA Zulassung erhalten und erreichte ein VC von 1 Mrd. Dollar
  • Elvie – konnte in ihrer Series-C-Finanzierungsrunde Investitionen von 97 Mio. Dollar verzeichnen
  • Ava – hat 2018 eine 30 Mio. Dollar schwere Finanzierung erhalten

Doch das Wachstum des Marktes ist nicht auf diese Beispiele beschränkt. Nicht nur nutzen Frauen häufiger digitale Tools zur Bewahrung ihrer Gesundheit. Sie verfügen dabei auch über eine höhere Zahlungsbereitschaft als Männer.[3]

Besonders in Entwicklungsländern und durch die wachsende Prävalenz chronischer und infektiöser Krankheiten bietet die FemTech-Branche ein hohes Potential für Investoren. Trotzdem fließen nur vier Prozent der weltweiten Forschungsausgaben in die Gesundheit von Frauen. Dies zeigt sich auch in den Investitionen der letzten Jahre: 2019 lag das Finanzierungsvolumen für FemTech-Start-ups bei über 590 Mio US-Dollar.[4] 2021 konnte dagegen zum ersten Mal die 1,2 Milliarden US-Dollar Marke überschritten werden. Schätzungsweise werden FemTechs bis 2027 eine 60 Milliarden Dollar Industrie sein.[5] Laut BCG Digital Ventures (BCGDV), eine Tochtergesellschaft der Boston Consulting Group (BCG), wird sich bereits 2022 als das Jahr der FemTechs hervortun.[6]

An Tagen wie diesen

Sicher erhalten genderspezifische Fragen am heutigen internationalen Frauentag eine besondere Aufmerksamkeit. Doch es steht außer Frage, dass die Debatten zur Gleichberechtigung von Frauen verdienen, zum alltäglichen Gesprächsthema zu werden. Auch wenn hinsichtlich der Benachteiligungen in Einkommen und Gesundheit von Frauen noch ein weiter Weg gegangen werden muss, ist spürbar, dass das öffentliche Interesse hieran längst nicht mehr auf Tage wie diese begrenzt ist. Der sich ständig vollziehende kulturelle Wandel wird auch die Branche der FemTechs in ihrem Wachstum unterstützen.

[1] https://projektzukunft.berlin.de/news/news-detail/deep-dive-18-femtech-in-berlin

[2] https://hbswk.hbs.edu/item/chick-beer-for-women-why-gender-marketing-repels-more-than-sells

[3] https://www.atlas-digitale-gesundheitswirtschaft.de/femtech-genderspezifische-versorgung-mit-grossem-marktpotenzial/

[4] https://www.brainwave-hub.de/post/brainwave-femtech-special

[5] https://www.digitaljournal.com/pr/femtech-market-growth-global-survey-analysis-share-company-profiles-and-forecast-by-2027#ixzz7MIQyMz8U

[6] https://www.healthcareitnews.com/news/emea/care-anywhere-new-normal-according-industry-report

Autor:innen

Pascale Ullmann ist Head of Digital Solutions beim New Players Network

Max Krause ist Community Architect beim New Players Network.

Wenn ihr mehr über HealthTechs erfahren wollt, schaut euch hier die neue Blogreihe der Versicherungsforen Leipzig an.

Foto: Lindsey LaMont // Unsplash

Auf der Suche nach Kundennähe – Insurtech Insights mit Sophia

Sophia ist ein InsurTech aus Graz, das es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Versicherungsbranche aufzumischen. Ihre Versicherungs-App “Sophia” ist eine persönliche Versicherungs­maklerin, die getreu dem Motto “Sophia kümmert sich um deine Versicherungssituation, damit du es nicht musst.” arbeitet. Mit Sophia können die Kund*innen ihre Versicherungssituation managen lassen und sind immer passend zu ihrer aktuellen Lebenssituation versichert. Sophia funktioniert ganz ohne Maklervollmacht, einfach kostenlos registrieren und loslegen – no strings attached. In unseren Insurtech Insights teilen sie ihre Perspektive auf Kundenzentrierung mit uns.

Die Geburt von Sophia

Karl Haas und Sebastian Peischl waren Arbeitskollegen und begannen sich darüber auszutauschen, wie unzufrieden sie mit dem Status quo der Versicherungsbranche sind. Im Rahmen dieser Gespräche lernten sie auch Petra Fröschl-Zückert kennen. Sie ist seit über 20 Jahren Versicherungsmaklerin und konnte ihren Ärger nur zu gut verstehen: Undurchsichtige Verträge, sperrige Abwicklungen, die Jagd nach Provisionen, einheitliche Angebote für individuelle Bedürfnisse, schlechte Digitalisierung, orts- und zeitgebundene Beratung usw. Die Versicherungsbranche war noch nicht im 21. Jahrhundert angekommen, obwohl Kund*innen sich nach einer bedürfniszentrierten Lösung sehnen, wie sie es zum Beispiel von Amazon kennen. Schlussendlich stellten wir uns die Frage:

“Was würde die perfekte Versicherungsmaklerin leisten, wenn sie nur mich als Kund*in zu betreuen hätte?”

Die Antworten bildeten das Fundament und zusammen gründeten Petra, Karl und Sebastian das InsurTech Sophia.

Kund*innen: The center of the Sophia universe

Aus privaten Erfahrungen wissen wir, dass bei manchen Versicherern Kund*innen nicht gerade im Zentrum der unternehmerischen Tätigkeit stehen. Österreichischer Versicherer-Bürokratismus par excellence gepaart mit Corona, Home-Office und virtuellen Meetings ist keine gute Mischung für eine kundenzentrierte Ausrichtung. Man wartet teilweise wochenlang auf Informationen, Verträge oder Auskünfte. Bei telefonischen Anfragen lernt man die Ansage rückwärts auswendig. Policen und andere Schreiben der Versicherer lesen sich oft wie Dissertationen von Jurist*innen. Kurzum: der Branche ist die Kundennähe völlig abhanden gekommen.

Hier setzen wir an und stecken all unsere Energie in das Aufbrechen dieses Systems. Sophia ermöglicht den Kund*innen einen modernen, freundlichen und direkten Zugang zum Thema Versicherung. Die Interaktion erfolgt über unsere innovative Sophia App und der Bürokratismus wird für unsere Kund*innen abgefangen und übersetzt. Die Beratung ist objektiv und unvoreingenommen – jeder wird gleich behandelt. Unsere Empfehlungen basieren auf Algorithmen, die anhand von Fakten entscheiden. Kund*innen können frei bestimmen, welche Daten sie wann mit uns teilen. Wir erfassen Daten nur auf einer Need-to-know-Basis. Auch Kund*innen-Feedback ist ein elementarer Bestandteil der Weiterentwicklung von Sophia – es wird so schnell es geht eingearbeitet.

Wir binden unsere Kund*innen durch Zufriedenheit und gewinnen sie durch Empfehlungen.

Wenn’s mal kracht?

Im Schadensfall hilft unser Kund*innen-Support bei der Abwicklung und bei der Durchsetzung der Ansprüche gegenüber Versicherern. Wir sind über viele Kanäle erreichbar: sei es WhatsApp, Signal, E-Mail oder auch telefonisch. Unsere Kund*innen können den Kommunikationsweg frei wählen. Zusätzlich zu einer freundlichen und schnellen Antwort, gehört bei uns auch das “Du” zum guten Ton.

Maklervollmacht? Nein danke

Kund*innen sollen frei entscheiden können, ob wir die Betreuung ihrer Verträge übernehmen sollen. Wir halten nichts von einem Onboarding-Prozess, der das Unterschreiben einer vollumfänglichen Maklervollmacht voraussetzt. Wir übernehmen nicht automatisch alle bestehenden Versicherungsverträge, nur weil man die Sophia App ausprobieren möchte. Der bestehende Makler bleibt den Kund*innen erhalten, außer es ist ein Wechsel erwünscht – dann gerne her damit.

Ohne eine ausdrückliche Zustimmung können wir auch keine Verträge kündigen, abschließen, ändern oder übernehmen. Das wollen wir auch nicht. Das letzte Wort haben immer unsere Kund*innen. Sie entscheiden, was passiert. Wir liefern ihnen zur ihrer derzeitigen Versicherungssituation die passenden Empfehlungen.

Versicherungen sind ein Mittel zum Zweck

Wir verfolgen den Ansatz, dass nicht die Versicherungen im Mittelpunkt stehen, sondern unsere Kund*innen und deren Lieblinge (Partner*in, Kinder, Haustiere, Kfz, Wohnung etc.). Diese sind unterschiedlichen Risiken ausgesetzt, vor denen man sich, je nach individueller Lebenssituation, schützen sollte. Versicherungen sind eine Notwendigkeit, um sich gegen finanzielle Folgen abzusichern – ein Mittel zum Zweck. Wir zeigen unseren Kund*innen wie sie sich selbst und ihr nahes Umfeld schützen können und welche Versicherung die passende Absicherung liefert. Pushy-Sales ist bei uns fehl am Platz.

Informativ, aber unterhaltsam

Wir möchten den Umgang mit Versicherungen angenehmer, einfacher und vielleicht auch unterhaltsamer gestalten. Seien es kleine Easter-Eggs, die man in der App findet oder ein Marketing, das informativ und unterhaltsam ist.

Versicherungen sind zwar ein ernstes Thema, da es um die Sicherheit und im worst-case um die finanzielle Existenz geht. Das setzt eine seriöse sachliche Beratung voraus. Trotzdem setzen wir auf eine lockere und an den richtigen Stellen auch humorvolle Aufbereitung – wir möchten unsere Kund*innen auch mal zum Schmunzeln bringen.

Mit Sophia verfolgen wir nicht das Ziel, dass Endkund*innen ihre Versicherungen “lieben” lernen – aber vielleicht lieben sie Sophia. Für die breite Masse ist und wird dieses Thema immer unsexy bleiben. Sophia nimmt diesen wichtigen Bereich in ihre Hände und somit bleibt mehr Zeit für die lustigen Sachen im Leben.

Lust auf mehr InsurTech-Insights? Dann schaut doch mal, was die Gründerin von Segurio über neue Wege und Frauen in InsurTechs zu sagen hat. Wollt auch ihr euer Start-up vorstellen und ein bisschen aus dem Nähkästchen plaudern? Dann meldet euch gerne bei uns, wir freuen uns über weitere Artikel für unsere Blogreihe!