„Ich hab’s verbockt…“ FuckUp Night Leipzig Vol. 34

Vermasselt, vergeigt, verbockt – Scheitern tut weh, und lehrt uns aber mehr als jede noch so gute Erfolgsgeschichte. Letzte Woche haben sich im Rahmen der FuckUp Night in Leipzig wieder mutige Speaker auf die Bühne gewagt, um über ihre größten Fail-Projekte zu berichten und diese mit der Leipziger Start-up-Szene zu teilen. Im kuscheligen Wohnzimmerambiente des Elsterartigs lauschten wir drei teils unterhaltsamen als auch Gänsehaut erregenden Scheiter-Stories.

Story #1: Ein hippes Café auf Bali ohne gültige Lizenz

Als erster Redner kommt Pascal nach vorn. Er ist erst vor Kurzem aus Bali zurückgekehrt, hat sich dort einen Traum erfüllt und ist schließlich aus dem Albtraum geflüchtet. Pascal beginnt mit den Worten: „Ich habe keine Präsentation vorbereitet. Ich stehe hier allein mit meinen Emotionen und meiner Story“. Im Mai 2017 hat er zusammen mit einem US-amerikanischen Kumpel ein hippes Café und einen Coworking Space im indischen Ozean eröffnet und viel in seinen Traum investiert. „Geld spielte keine Rolex“, sagt Pascal lächelnd, wenn auch leicht gezwungen. Er erklärt dem Publikum, dass sein Scheitern damit begonnen hat, dass er zu naiv an die Sache herangegangen ist und schlichtweg den falschen Leuten Vertrauen geschenkt hat. Leuten, die ihm gegen Geld die notwendigen Gewerbelizenzen und Arbeitsgenehmigungen auf Bali beschaffen wollten. Diese Papiere waren allerdings gefälscht oder wurden erst gar nicht geliefert. „Und so standen wir dann mit leeren Händen und einem illegalen Unternehmen da und ich musste in den Knast gehen“, schildert Pascal. „Das wünsche ich nicht meinem schlimmsten Feind.“ Nach fünf Tagen im indonesischen Gefängnis wurde Pascal von seinem US-Partner und seiner Familie freigekauft und sah sich gezwungen seinen Traum auf Bali aufzugeben. Vor drei Monaten ist er nach Deutschland zurückgekehrt. Mittlerweile gibt es einen potentiellen Käufer für sein zurückgelassenes Gewerbe, allerdings ist der Rechtsstreit aufgrund der fehlenden Papiere noch nicht abgeschlossen. „Wenn alles gut läuft, komme ich mit einem blauen Auge und ein paar 5.000 bis 10.000 Miesen davon“, sagt Pascal. Seine abschließende Message an das Publikum lautet: „Wenn ihr einen Traum habt, traut euch! Und traut euch auch zu scheitern, steht zu euren Fehlern! Und ganz wichtig: Gebt euch Zeit, wenn ihr ein Unternehmen aufbauen wollt, gerade im Ausland. Nehmt euch die Zeit die Sprache zu lernen und die Kultur zu verstehen.“

Story #2: Ärzte sind Halbgötter in Weiß, die mit einem Bein im Knast stehen

Als zweite Speakerin dürfen wir Julia auf der Club-Bühne begrüßen. Die junge Assistenzärztin gibt uns einen Einblick in die Fehlerkultur im medizinischen Bereich. „Neulich in der Notaufnahme…“, steht auf ihrer Präsentationsfolie. Julia berichtet, wie sie in der Notaufnahme einer Klinik eine falsche Diagnose stellte. Die fatalen Folgen blieben glücklicherweise aus, da der übernehmende Arzt relativ schnell die Lebensgefahr des Patienten erkennt. Er wird auf die Intensivstation gelegt und überlebt. „Danach habe ich richtig schlecht geschlafen“, sagt Julia und gibt dem Publikum zur Veranschaulichung des Falles noch einen kurzen Exkurs in die Anatomie von Krampfadern. Wenn medizinisches Personal einen Fehler macht, dann hat das weitreichende Folgen. Die junge Ärztin erzählt, wie es sich anfühlt, tagtäglich für Menschenleben verantwortlich zu sein. „Als Arzt steht man quasi immer mit einem Bein im Knast“, betont sie. „Ärzte werden immer als Halbgötter in Weiß gesehen, sind im Endeffekt aber auch nur Menschen, denen auch mal Fehler passieren.“ Julia zieht als Fazit ihres Fehldiagnose-Erlebnisses, dass der Erfahrungsaustausch mit Kollegen im Medizineralltag besonders wichtig ist. Sie fügt hinzu, dass auch der Eigenschutz stets an erster Stelle stehen sollte und Zeichen der eigenen Unterzuckerung oder Müdigkeit ernst genommen werden müssen.

Story #3: Content-Creation mit ausbleibendem Erfolg(sorgasmus)

Last but not least entführen uns das Duo Nadine und Liv in die Welt der Content-Generierung im Erotikbereich. Die beiden Content-Managerinnen kreieren Kommunikationsinhalte für die Plattform JOYclub. „JOYclub, das ist wie Facebook für Erotische“, sagt Nadine. 2017 haben die beiden Marketingexpertinnen den Sex- und Lifestyle-Blog Ohja!, als Sub-Brand des JOYclubs ins Leben gerufen. Mit kreativem Lesestoff rund um Liebe, Lust und Leidenschaft erleben sie einige Reichweiten-Höhepunkte. Sei es auf ihrem Blog, dem dazugehörigen Newsletter oder dem neu eröffneten YouTube-Kanal. „Die Clicks waren eindeutig da, nur die Anmeldungen auf unserer Hauptplattform JOYclub blieben aus“, berichtet das Duo. In den ersten Monaten begründeten die beiden diese Entwicklung mit den typischen Startschwierigkeiten und verfolgten weiter ihre Strategie. Auch nach externer Agenturhilfe und ausbleibendem Erolg mussten Nadine und Liv ihre Niederlage schließlich erkennen und sahen sich gezwungen ihr geliebtes Projekt im März 2018 ad acta zu legen. „Die Zeit danach ist einfach scheiße“, erinnert sich Liv. „Ich habe geweint, aber das Schöne war, ich habe nicht alleine geweint, sondern hatte um mich herum immer mein Team, das für mich da war.“ Die Content-Expertinnen nehmen die gescheiterte Kampagne allerdings mit Humor. Ihre Learning: „Am Scheitern kann man nur wachsen. Was wir dazugelernt haben? Wir haben stets die falsche Zielgruppe angesprochen. Aber die Ohja!-Inhalte sind immer noch online, wer mal Lust hat reinzuschauen.“

Bilder: Romy-M. Ulrich / New Players Network

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